Geschichte der EU

Robert Schuman

Robert Schuman (1886-1963) legte den Grundstein für die EU. (© Europäische Kommission)

1950: Schuman-Erklärung
In seiner Rede am 9. Mai stellt der französische Außenminister Robert Schuman den Plan vor, die Kohle- und Stahlproduktion Frankreichs und Deutschlands einer gemeinsamen Behörde zu unterstellen. Damit wurde der Grundstein für eine Europäische Union gelegt. Der 9. Mai ist seitdem der "Europatag".

1952: Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS); Pariser Vertrag
Die sechs Länder Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg und Italien gründen die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Der 1951 unterzeichnete Vertrag schafft den gemeinsamen Markt und die gemeinsame Kontrolle über Kohle und Stahl.

1958: Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM); Römische Verträge
Die sechs Länder Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg und Italien unterzeichnen 1957 die "Römischen Verträge" und gründen damit die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und die Europäische Atomgemeinschaft.

Die EWG hat den internen Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen zum Ziel. Die EURATOM will die friedliche Nutzung der Kernenergie und die gemeinsame Forschung gewährleisten, sowie die Sicherheitsvorschriften vereinheitlichen. Die Kommissionen der EWG und der EURATOM nehmen in Brüssel ihre Arbeit auf.

Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957

Römischer Vertrag Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957
(© European Community 2007)

1958: Gründung des Europäischen Gerichtshof (EuGH)
Am 7. Oktober wird in Luxemburg der Europäische Gerichtshof. Dieser sichert gemeinsam mit dem "Gericht 1. Instanz" die Wahrung des Rechts im gemeinschaftlichen Integrationsprozess.

1962: Einführung Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)
Per Verordnung tritt die Gemeinsame Agrarpolitik in Kraft. Die Ziele der GAP sind die Schaffung eines gemeinsamen Marktes für Agrarerzeugnisse und die finanzielle Solidarität in diesem Bereich (Mithilfe der Einrichtung eines Fonds).

1967: Fusion der Europäischen Gemeinschaften zur Europäischen Gemeinschaft; Fusionsvertrag
Die Europäischen Gemeinschaften (EGKS, EWG, EURATOM) fusionieren zur Europäischen Gemeinschaft (EG) und verfügen nun über gemeinsame Organe. Der Fusionsvertrag wurde 1965 unterzeichnet.

1973: Norderweiterung
Die Länder Dänemark, Großbritannien und Irland treten der EG bei, womit die Zahl der Mitgliedsländer auf 9 steigt.

1979: Einrichtung des Europäischen Währungssystems (EWS)
Gemäß des Beschlusses des Europäischen Rates vom Dezember 1978 wird das Europäische Währungssystem auf der Grundlage einer europäischen Währungseinheit (ECU) geschaffen.

1979: Wahl Europaparlament
Die erste Direktwahl des 410 Mitglieder umfassenden Europaparlaments findet statt.

1981: 1. Süderweiterung
Griechenland tritt der EG bei. Die EG besteht nun aus zehn Mitgliedsländern.

1986: 2. Süderweiterung
Die Länder Spanien und Portugal treten bei, womit die Zahl der Mitgliedsländer auf 12 steigt.

1987: Einheitliche Europäische Akte (EEA)
Die 1986 unterzeichnete Einheitliche Europäische Akte tritt in Kraft. Sie ist ein umfassender Änderungsvertrag der Römischen Verträge. Die EEA sieht die schrittweise Vollendung des gemeinsamen Binnenmarktes bis Ende 1992 vor.

Weiters werden die Aufgabenbereiche und die Befugnisse der Gemeinschaft erneuert und die Entscheidungsstrukturen reformiert.

1993: Vertrag von Maastricht
Der 1992 unterzeichnete Vertrag von Maastricht tritt in Kraft und stellt eine tiefgreifende Änderung der EG-Verträge dar. Im Rahmen des Vertrages wird die europäische Wirtschaftsgemeinschaft um eine politische Dimension erweitert. Er schafft die Europäische Union (EU) bestehend aus den Europäischen Gemeinschaften.

Die Schwerpunkte des Vertrages sind die Einrichtung einer Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP), die gemeinsame Bekämpfung der internationalen Kriminalität sowie die Schaffung einer Unionsbürgerschaft. Außerdem werden die Einrichtung der vollständigen Wirtschafts- und Währungsunion und die Einführung einer gemeinsamen Währung für 1999 vereinbart.

1995: Erweiterung
Die Länder Österreich, Schweden und Finnland treten der EU bei. Die Zahl der Mitgliedsländer steigt somit auf 15. Österreich nahm die Beitrittsverhandlungen im Jahre 1993 auf.

1995: Schengener Abkommen
Das 1985 unterzeichnete Schengener Abkommen tritt zwischen Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Portugal und Spanien in Kraft. Das Übereinkommen regelt die Durchführung und die Voraussetzungen, unter denen der freie Personenverkehr gewährleistet wird. Später treten diesem Übereinkommen auch Italien, Griechenland, Dänemark, Finnland und Schweden bei. Österreich wendet das Abkommen seit 1998 vollumfänglich an. Mit Norwegen, Island, Schweiz und Lichtenstein bestehen Kooperationsabkommen. Großbritannien und Irland sind zwar EU-Mitglieder, gehören jedoch nicht zum Schengen-Raum.

1998: Gründung der Europäischen Zentralbank (EZB)
Am 1. Juli wird in Frankfurt die Europäische Zentralbank errichtet. Die EZB setzt die stabilitätsorientierte Geldpolitik für das Euro-Währungsgebiet um. Sie bildet gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken aller 15 Mitgliedstaaten der EU das "Europäische System der Zentralbanken (ESZB)".

1998: Österreichische Ratspräsidentschaft
Österreich übernimmt in der zweiten Jahreshälfte den Vorsitz im Rat der Europäischen Union.

1999: Vertrag von Amsterdam
Mit dem 1997 unterzeichneten Vertrag wurden die Grundlagen der Union nach der Einheitlichen Europäischen Akte und dem Vertrag von Maastricht ein weiteres Mal grundlegend verändert. Der Vertrag von Amsterdam beschäftigt sich insbesondere mit folgenden Schwerpunkten:

  • Beschäftigungspolitik
  • Vertiefung der GASP
  • Verbesserung der Zusammenarbeit in Justiz und Inneres
  • Schaffung der Grundlagen der Erweiterung

1999: Agenda 2000
Das Reformpaket wird beschlossen. Es beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit folgenden Bereichen:

  • GAP-Reform,
  • neue Regionalpolitik,
  • Festlegung des Finanzrahmens bis 2006

1999: Wirtschafts- und Währungsunion (WWU)
Die Wirtschafts- und Währungsunion tritt in Kraft. Der Euro wird in 11 (später mit Griechenland 12) EU-Staaten zunächst als Buchgeld eingeführt.

2001: Unterzeichnung Vertrag von Nizza
Der Vertrag von Nizza umfasst den Entwurf einer europäischen Grundrechtscharta. Die Europäische Union wird weiters in 4 Kernbereichen auf die Erweiterung vorbereitet: Größe und Zusammensetzung der Kommission, Stimmengewichtung im Rat, Ausweitung der Abstimmung mit qualifizierter Mehrheit und Verstärkung der Zusammenarbeit.

Vertrag von Nizza 2001

Vertrag von Nizza 2001
(© European Community, 2007)

2002: Euro-Einführung
Seit dem 1. Jänner 2002 ist der Euro in 12 der 15 EU-Länder (in allen außer Dänemark, Schweden, Großbritannien) als Bargeld in Verwendung.

2002: EU-Konvent zur Zukunft Europas
Am 28. Februar nimmt der Konvent gemäß den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates von Laeken unter Vorsitz von Valery Giscard d’Estaing in Brüssel die Arbeit am Entwurf einer europäischen Verfassung auf.

2002: Erweiterung der EU um 10 neue Mitgliedstaaten fixiert
Beim Europäischen Rat von Kopenhagen im Dezember 2002 werden die Verhandlungen mit 10 Beitrittskandidaten erfolgreich abgeschlossen: Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, die Tschechische Republik, die Slowakei, Slowenien, Ungarn und Zypern können zum 1. Mai 2004 als Mitglieder in die EU aufgenommen werden. Diese Erweiterung wird die größte in der Geschichte der Europäischen Gemeinschaft sein und bedeutet die endgültige Überwindung der früheren Teilung Europas durch den Eisernen Vorhang.

2003: Feierliche Unterzeichnung der Beitrittsverträge unterhalb der Akropolis
Im Rahmen einer Sondertagung des Europäischen Rates werden am 16. April 2003 die Beitrittsverträge mit den 10 künftigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union unterzeichnet. Die Vertragsunterzeichnung findet am Fuße der Akropolis in der so genannten "Stoa des Attalos" statt.

2003: Vertrag von Nizza tritt in Kraft
Am 1. Februar tritt der im Dezember 2000 verhandelte Vertrag von Nizza in Kraft.

2003: Der Konvent präsentiert den Verfassungsentwurf
Gemäß des Mandates durch den Europäischen Rat von Laeken beendet der Konvent seine Beratungen und legt im Rahmen der Tagung des Europäischen Rates von Thessaloniki (19. bis 21. Juni) einen "Entwurf für eine Verfassung für Europa" vor. Nach Endredaktion und letzten Detailanpassungen kann der vollständige Verfassungsentwurf der italienischen Präsidentschaft am 18. Juli in Rom überreicht werden.

2003: Eröffnung der Regierungskonferenz
Am 4. Oktober wird in Rom im Rahmen einer Sondertagung des Europäischen Rates die Regierungskonferenz zur endgültigen Ausarbeitung einer Europäischen Verfassung eröffnet.

2004: Historische Erweiterung
Mit 1. Mai 2004 treten 10 neue Staaten aus Süd- Mittel- und Osteuropa der Europäischen Union bei. Dies stellt die bisher größte und umfassendste Erweiterungswelle dar. Die erweiterte Union hat somit 25 Mitgliedstaaten und eine Bevölkerung von knapp 450 Millionen.

2005: Referenden in Frankreich und den Niederlanden
In Volksabstimmungen lehnen zuerst die Franzosen und wenige Tage später auch die Niederländer den Vertrag über eine Europäische Verfassung ab. Es beginnt ein längerer Nachdenkprozess, der 2007 zum Vertrag von Lissabon führt.

2007: Erweiterung um zusätzliche zwei Staaten
Am 1. Jänner 2007 werden Bulgarien und Rumänien in die Europäische Union aufgenommen. Die EU setzt sich nun somit aus 27 Mitgliedstaaten und fast einer halben Milliarde Menschen zusammen.

2007: Berliner Erklärung
Im März 2007 erneuern die EU-Staats- und Regierungsspitzen in der "Berliner Erklärung" zum 50-Jahr-Jubiläum der Unterzeichnung der Römischen Verträge ihr Bekenntnis zum Erfolgs- und Friedensprojekt der EU. Sie bekennen sich auch zu verbindlichen Klimaschutzzielen, zur Erweiterung und zum Bemühen um Konsens bei einem künftigen EU-Reformvertrag.

2007: EU beschließt den Vertrag von Lissabon
Auf ihrem Gipfeltreffen in Lissabon im Dezember unterschreiben die Staats- und Regierungsspitzen der Union den neuen Vertrag von Lissabon. Er ersetzt den gescheiterten Verfassungsvertrag aus dem Jahre 2005 und soll die EU für die Zukunft institutionell handlungsfähiger machen. Der Vertrag muss von allen Mitgliedstaaten ratifiziert werden. In Irland muss das Volk befragt werden. Überall anders entscheiden die nationalen Parlamente.

2009: Vertrag von Lissabon tritt in Kraft
Nach zahlreichen Schwierigkeiten trat am 1. Dezember 2009 die institutionelle Reform der Europäischen Union in Kraft. Sichtbares Zeichen nach außen sind der neue EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, der für zweieinhalb Jahre den Vorsitz im Europäischen Rat übernimmt, und die Hohe Vertreterin für die Außen- und Sicherheitspolitik Catherine Ashton, die zugleich Vizepräsidentin der Europäischen Kommission ist.

Am 12. März 2012 wählten die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten Herman Van Rompuy für eine weitere Amtszeit (1. Juni 2012 bis zum 30. November 2014) wieder zum Präsidenten des Europäischen Rates.

2010: Griechenland-Krise
Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise trifft auch zahlreiche EU-Staaten, allen voran Griechenland. Die EU hilft ihnen bei der Bewältigung ihrer Schwierigkeiten mit Krediten (sogenannter Rettungsschirm). Sie beginnt mit der Errichtung einer Bankenunion, um für mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit im Bankensektor zu sorgen. Internationale Handelsabkommen wie etwa jenes mit Kanada (CETA) oder den USA (TTIP) geraden verstärkt in Kritik.

2012: EU erhält den Friedensnobelpreis

Die Europäische Union erhält am 10. Dezember 2012 in Oslo den Friedensnobelpreis. Begründung: Die EU habe "über 6 Jahrzehnte lang zur Förderung von Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa beigetragen".

2013: Kroatien tritt der EU bei
Am 1. Juli 2013 tritt Kroatien der EU bei. Die Europäische Union ist damit auf 28 Mitgliedsländer angewachsen.

2014: Wahl zum Europäischen Parlament
Zwischen 22. und 25. Mai 2014 wählen die Europäerinnen und Europäer ihre insgesamt 751 Abgeordneten für das EU-Parlament. Die Wahlbeteiligung liegt europaweit im Schnitt bei 43,09 Prozent. Die neuen Kräfteverhältnisse bringen neue Personen an die Spitze der EU-Institutionen: Am 1. Juli 2014 wird Martin Schulz EU-Parlamentspräsident. Am 15. Juli 2014 wird Jean-Claude Juncker, ehemaliger Ministerpräsident von Luxemburg, neuer Kommissionschef und damit Nachfolger von José Manuel Barroso. Auf Catherine Ashton als Hohe Vertreterin der Union für die Außen- und Sicherheitspolitik folgt die Italienerin Federica Mogherini. Mit 1. November 2014 tritt die neue EU-Kommission unter Jean-Claude Juncker ihr Amt an. Am 1. Dezember 2014 bekommt auch der Europäische Rat einen neuen "Chef". Nachfolger von Herman Van Rompuy als permanenter Ratspräsident wird der Pole Donald Tusk.

2015: Flüchtlingskrise
Im Zuge von Unruhen, Krieg und Armut suchen hunderttausende Menschen aus Regionen wie dem Nahen Osten (Syrien, Libyen) Zuflucht in Europa. Die EU steht vor der Frage, wie sie diese Menschen aufnehmen und verteilen kann. Insgesamt treffen 2015 mehr als 1 Million Asylsuchende in Europa ein. Durch die Zusammenarbeit mit Nachbarländern wie der Türkei soll der Außengrenzschutz der EU besser funktionieren und auf Dauer weniger Personen auf illegale Weise nach Europa gelangen.

Europa sieht sich zudem mit religiös extremistischen Terrorismus konfrontiert. Es wird Schauplatz mehrerer Terroranschläge, etwa in Frankreich, Belgien oder Großbritannien. Die Mitgliedsländer antworten mit einer stärkeren Zusammenarbeit im Justiz- und Sicherheitsbereich, darunter mit einem verbesserten Außengrenzschutz und mehr Kompetenz für die Agentur "Frontex".

Positiv zu sehen ist die Einführung des Euro in Litauen. Nach Lettland 2014 und Estland 2011 erfüllt auch der 3. baltische Staat alle Voraussetzungen für die Gemeinschaftswährung. Von den 2004 beigetretenen Staaten verwenden zudem die Slowakei (2009), Malta und Zypern (2008) sowie Slowenien (2007) den Euro.

Im Dezember einigen sich 195 Länder bei der Klimakonferenz in Paris darauf, den weltweiten Temperaturanstieg auf weniger als 2 Grad Celsius zu begrenzen.

2016: "Brexit" – Großbritannien will die EU verlassen
Es ist ein Paukenschlag: Am 23. Juni 2017 stimmt eine Mehrheit der britischen Bevölkerung für den Austritt aus der EU. Die EU und das Vereinigte Königreich stehen damit vor schwierigen Verhandlungen. Diese sollen 2017 beginnen und sind auf 2 Jahre angelegt. Zugleich starten die EU-Institutionen eine Zukunftsdebatte: Wie soll ein Europa mit "nur" mehr 27 Mitgliedsländern aussehen?

2017: Neuer Parlamentspräsident, "Erklärung von Rom"

Nachfolger von Martin Schulz (er wechselt in die deutsche Innenpolitik) als Präsident des Europäischen Parlaments wird der Italiener Antonio Tajani.

60 Jahre nach Unterzeichnung der sogenannten Römischen Verträge“ kommen die Staats- und Regierungschefs der EU-27 (ohne Großbritannien) am 25. März 2017 erneut in der italienischen Hauptstadt zusammen. In einer Erklärung von Rom bekennen sie sich zu 4 Prioritäten für die künftige Entwicklung der EU:

  1. ein sicheres und geschütztes Europa mit einer wirksamen, verantwortlichen und nachhaltigen Migrationspolitik,
  2. ein wohlhabendes und nachhaltiges Europa,
  3. ein soziales Europa und
  4. ein stärkeres Europa in der Welt

Weitere Informationen zur Entwicklung der EU

Die Geschichte der Europäischen Union