E-Call: Das Auto ruft den Rettungswagen

Logo: E-Call

Erstellt am 11. September 2009
Bundespressedienst/imb

Die Idee ist nicht wirklich neu. Mehrere Autohersteller und Dienstleistungsunternehmen der Informations- und Telekommunikations-Branche haben ähnliche Überlegungen bereits umgesetzt: Im Falle eines Unfalls ruft das Auto von selbst einen Notrufdienst an. Derartige Lösungen haben jedoch in der EU nur eine Verbreitung unter einem halben Prozent und sind eher teuren Autos vorbehalten. Geradezu revolutionär mutet da der Ansatz der EU an, ein einheitliches, flächendeckendes System für ganz Europa zu schaffen – zu revolutionär, denn die Umsetzung des Notrufsystems E-Call wird nicht wie geplant 2009 vom Stapel laufen können.

Rasche Hilfe ist effiziente Hilfe

Im Detail sieht E-Call vor, dass ein im Auto eingebautes Gerät bei einem Unfall einen Notruf mit dem so genannten Mindestdatensatz über Mobilfunk abschickt. Der Mindestdatensatz beinhaltet Zeit und Ort des Unfalls sowie die Fahrtrichtung des Autos. Die genaue Position des Unfallwagens wird von Satellitensystemen ermittelt. Der Notruf geht mit der genormten Kennung E112 an die nächstgelegene Notrufzentrale. Nach Übermittlung der Unfalldaten kann die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter der Zentrale mit den Unfallopfern über die Mobilverbindung Kontakt aufnehmen und – falls möglich – klären, ob und welche Art von Hilfe notwendig ist.

Die Grafik stellt den Vorgang dar, wie unten beschrieben.

So funktioniert E-Call Satellitendaten werden zur Ermittlung des Standorts herangezogen und via Mobilfunk an die nächste Notrufstation weitergeleitet. Von dort aus wird Kontakt mit den Unfallopfern aufgenommen und die erforderliche Hilfe veranlasst. (© EU-Kommission)

Die Kommission und die Plattform E-Safety Support rechnen damit, dass dieses System in den 27 Mitgliedstaaten jährlich rund 2.500 Menschenleben retten wird. Zum Vergleich: 2008 gab es in der EU rund 39.000 Verkehrstote und 1,7 Millionen Verletzte. Das bedeutet zum einen, menschliches Leid zu verringern, zum andern aber auch Einsparungen im Gesundheits- und Sozialbereich.

Nach anfänglicher Euphorie ins Stocken geraten

Die "harmonisierte" Einführung dieses europaweiten Systems lief anfangs offene Türen ein: Automobilhersteller wie auch Mobilfunkanbieter hoffen auf Zusatzeinahmen mit Mehrwertdiensten auf Basis dieses Systems und haben daher die notwendigen offenen Standards für Rufkennung, Mindestdatensatz und Übertragungsprotokoll zu spezifizieren mitgeholfen. Die meisten Mitgliedsländer, darunter auch Österreich, haben das Abkommen für E-Call mit Aufbau und Wahrung einer Notruf-Infrastruktur bereits unterzeichnet. Selbst Nicht-EU-Mitglieder wie Island, Norwegen und die Schweiz sind mit Begeisterung dabei. Und rund 70 Prozent der EU-Bürger stehen laut Europabarometer dem Vorhaben positiv gegenüber.

Dennoch ist der Prozess nicht im Zeitplan. Länder wie Dänemark, Frankreich, Irland, Lettland, Malta und Großbritannien fürchten zu hohe Kosten für die Aufrüstung ihrer Notrufzentralen. Die Koordination der einzelnen Akteure (Mobilfunkanbieter, Autohersteller, Notrufdienste, staatliche Stellen) hat sich überdies als schwieriger erwiesen als gedacht und ist trotz weitgehend vorhandener Normen ins Stocken geraten.

Zur Not auch mittels Verordnung

Das "freie Spiel der Marktkräfte" und der "freiwillige Ansatz" scheinen nicht zum gewünschten Ergebnis zu führen – zumindest nicht im geplanten Zeitrahmen. In einem jüngst veröffentlichten Papier gab die Kommission nun bekannt, spätestens 2010 neue rechtliche Maßnahmen zu erwägen, um E-Call umzusetzen – von Empfehlungen und Regeln angefangen bis hin zu Verordnungen. Schließlich fordert jedes Jahr Verzögerung an die 2.500 Menschenleben, die mit E-Call hätten gerettet werden können. Bis 2014, einem zuletzt genannten Einführungsdatum, wären das an die 12.500 Tote.