Migration und Integration in Österreich

  1. Was versteht man unter Migration?
  2. Wer sind Personen mit "Migrationshintergrund"?
  3. Wie viele Menschen ausländischer Herkunft leben in Österreich?
  4. Woher kommen die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger?
  5. Was ist unter "Drittstaatsangehörigen" zu verstehen?
  6. Wie wird sich Migration in Österreich zukünftig entwickeln?
  7. Welche Maßnahmen setzt Österreich in punkto Integration?

Was versteht man unter Migration?

Es gibt keine einheitliche, offizielle Definition von Migration in Österreich und der Europäischen Union. Die Bezeichnung "Migration" beschreibt jedenfalls den Prozess von Menschen, über Grenzen hinweg zu wandern, um dort (dauerhaft oder vorübergehend) zu leben und zu arbeiten. Migration ist ein äußerst dynamischer Prozess. Er ist mit anderen Themen und Politikfeldern - wie der demographischen Entwicklung, Entwicklungszusammenarbeit, dem Arbeitsmarkt und Verteilungsfragen - verknüpft. Nicht nur Migrantinnen und Migranten "bewegen sich" – auch der Begriff an sich wandelt sich laufend. In den letzten Jahrzehnten hat die internationale Migration stark an Bedeutung gewonnen, und Phänomene wie Bootsflüchtlinge vor den Küsten Südeuropas, aber auch "Eliten-Migration" von gut ausgebildeten, hoch qualifizierten Fachkräften haben das (öffentliche) Bild von Migration verändert.

Wer sind Personen mit "Migrationshintergrund"?

Die "Bevölkerung mit Migrationshintergrund" umfasst alle Personen, deren Eltern im Ausland geboren sind, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit. Im Jahr 2009 lebten durchschnittlich rund 1,468 Millionen Personen mit Migrationshintergrund in Österreich (= 17,8 Prozent der Gesamtbevölkerung). Darunter gehören rund 1,082 Millionen der ersten Migranten-Generation an, da sie selbst im Ausland geboren wurden und nach Österreich zugezogen sind. Die verbleibenden 386.000 Personen sind in Österreich geborene Nachkommen von Eltern mit ausländischem Geburtsort und werden daher auch als "zweite Migranten-Generation" bezeichnet.

Wie viele Menschen ausländischer Herkunft leben in Österreich?

Im Jahr 1961 lebten in Österreich nur knapp über 100.000 ausländische Staatsangehörige, was einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von rund 1,4 Prozent entsprach. In der zweiten Hälfte der 1960er- und zu Beginn der 1970er-Jahre erhöhten sich die Anzahl und der Anteil der ausländischen Bevölkerung aufgrund gezielter Anwerbung von Arbeitskräften aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei relativ stark. Bis 1974 stieg die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer auf 311.700 (4 Prozent der damaligen Gesamtbevölkerung). In den darauffolgenden 15 Jahren änderte sich die Zahl der ausländischen Bevölkerung nur geringfügig. Erst Anfang der 1990er-Jahre kam es zu einer neuerlich starken Zuwanderung, wodurch der Ausländeranteil auf über 8 Prozent anstieg. Auf eine kurze Stagnation in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre folgte seit der Jahrtausendwende eine erneute Erhöhung der ausländischen Bevölkerung, so dass der Ausländeranteil im Jahr 2007 erstmals über 10 Prozent lag. Die Zahl der ausländischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger in Österreich lag Anfang 2010 bei 895.000 Personen, das sind 10,7 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Woher kommen die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger?

Unter den Personen mit Migrationshintergrund stammte Anfang 2010 ein Drittel (487.000 Personen) aus anderen EU- Staaten oder einem Mitgliedstaat des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR: EU-Staaten plus Liechtenstein, Island und Norwegen) oder der Schweiz. Zwei Drittel (981.000 Personen) der Personen mit Migrationshintergrund kamen aus Drittstaaten.

Die größte Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund im Österreich des Jahres 2010 machen erstmals Personen deutscher Herkunft aus: Mit Stichtag 1. Januar 2010 leben 213.000 Deutsche in Österreich. Auf Platz zwei folgen 207.000 Migrantinnen und Migranten aus Serbien, Montenegro und dem Kosovo. Platz drei belegen 183.000 Menschen türkischer Herkunft, gefolgt von rund 130.000 Menschen aus Bosnien/Herzegowina. An fünfter Stelle liegt die rund 70.000 Personen zählende kroatische Bevölkerungsgruppe.

Es folgen Zuwanderer aus Rumänien (63.000), Polen (59.000), der
Tschechischen Republik (46.000), Ungarn (39.000) und Italien (29.000). Weitere wichtige Herkunftsländer aus Europa waren die Russische Föderation (27.000), die Slowakei (25.000), Mazedonien (22.000), Slowenien (17.000) und die Schweiz (15.000). Außerhalb Europas stellten Personen aus China, Ägypten, dem Iran, den Philippinen, Indien und den Vereinigten Staaten von Amerika die größten Gruppen (mit jeweils rund 10.000 bis 15.000 Angehörigen) dar.

Was ist unter "Drittstaatsangehörigen" zu verstehen?

Drittstaatsangehörige sind Angehörige von Staaten, die nicht Teil des EWR sind. Für Drittstaatsangehörige legt das Innenministerium Quoten fest. Diese Quoten können sich auf die Bundesländer, auf bestimmte Gruppen wie Saisonarbeitskräfte oder Forscherinnen und Forscher und auf bestimmte Zuwanderungstitel wie Familienzusammenführung beziehen.

Wie wird sich Migration in Österreich zukünftig entwickeln?

Auch in Zukunft wird die Zuwanderung den Prognosen zufolge die Bevölkerungsentwicklung Österreichs bestimmen. Unter Fortschreibung ähnlicher Niveaus der Zuwanderung und Geburtenzahlen könnte die Bevölkerung Österreichs in den kommenden 20 Jahren um rund 8 Prozent auf 9 Millionen Einwohner zunehmen, in weiterer Folge bis 2050 auf etwa 9,5 Millionen (Hauptszenario der Prognose). Ohne Zuwanderung würde es hingegen bis 2030 eine Abnahme um rund 2,5 Prozent auf 8,1 Millionen Einwohner und danach (bis 2050) einen Rückgang auf 7,3 Millionen Menschen geben.

Welche Maßnahmen setzt Österreich in punkto Integration?

Integrationspolitik ist im Idealfall ein umfassender Ansatz, der auf die Stärkung der gesellschaftlichen, sprachlichen, schulischen, wirtschaftlichen und politischen Integration von Menschen abzielt. Integration betrifft alle Lebens- und Gesellschaftsbereiche und ist somit eine echte Querschnittsmaterie.

In Österreich haben Bund, Länder, Gemeinden und Sozialpartner einen "Nationalen Aktionsplan (NAP) für Integration" mit konkreten Integrationskriterien entwickelt. Ein Kernelement dieses Aktionsplanes sind Kenntnisse der deutschen Sprache als künftige Voraussetzung für dauerhafte Zuwanderung. Der NAP sieht Indikatoren für die folgenden Bereiche vor: Sprache und Bildung, Arbeit und Beruf, Sicherheit (Rechtsstaat und Werte), Gesundheit und Soziales, Interkultureller Dialog, Sport und Freizeit, Wohnen und räumlicher Kontext.

Auch das Statistische Jahrbuch für Migration und Integration 2010 enthält erstmals 25 definierte Indikatoren zur Beurteilung von Integrationsprozessen. Die Indikatoren wurden von der Statistik Austria in Zusammenarbeit mit der Kommission für Migrations- und Integrationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften entwickelt. Als fünf wichtigste Messgrößen für Integration werden der Bildungsstand, die Erwerbstätigkeit, die Arbeitslosenquoten, das Nettojahreseinkommen und die Armutsgefährung/Armut gesehen.

(Quellen: Österreichischer Integrationsfonds, Statistik Austria, Europäische Kommission, Eurofund, Bundeszentrale für politische Bildung)

Lesetipp:
Migration&Integration. Zahlen. Daten. Indikatoren 2010. Publikation der Statistik Austria und der Kommission für Migrations- und Integrationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
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