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Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Die Bevölkerung in Europa altert. Demographische Prognosen bestätigen, dass die Zahl junger Menschen in der EU in den nächsten Jahrzehnten abnehmen und die Zahl älterer Personen zunehmen wird. Laut Bevölkerungsprognose 2001-2050 der Statistik Austria wird der Anteil der Österreicherinnen und Österreicher zwischen 55 und 64 Jahren um 16,1 Prozent zunehmen. Laut aktuellen Prognosen werden in Kürze 45- bis 65-Jährige die größte Gruppe der österreichischen Gesamtbevölkerung bilden, 2050 wird nur mehr die Hälfte der Bevölkerung jünger als 59 Jahre sein.

Diese Situation stellt den Arbeitsmarkt in Europa und Österreich vor große Herausforderungen, da sich das Arbeitskräfteangebot massiv verändern wird. Um über genügend qualifizierte Arbeitskräfte zu verfügen, sollen künftig mehr Menschen länger im Arbeitsleben bleiben. 2009 waren europaweit nur 46 Prozent der Personen zwischen 55 und 64 Jahren noch erwerbstätig; Vorreiter sind hier Schweden (70 Prozent), Estland (60 Prozent) sowie Dänemark und Großbritannien (beide 58 Prozent). In Österreich lag die Zahl der älteren Arbeitskräfte (55-64 Jahre) 2009 bei nur 41 Prozent (Quellen: Statistik Austria, Eurostat).

Die Gruppe älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (laut ESF sind dies Personen ab einem Alter von 45 plus) wird in Zukunft eine bedeutende Rolle für den Arbeitsmarkt spielen. Darauf müssen sich sowohl die Arbeitskräfte selbst, aber auch die Unternehmen sowie Politik, Gesellschaft und Wirtschaftssystem einstellen. Dies fordert von allen Beteiligten wie auch von den verantwortlichen Institutionen ein deutliches und nachhaltiges Umdenken:

  • Umdenken der Beschäftigten selbst: Die Arbeitsfähigkeit zu erhalten und zu fördern muss ein zentrales Anliegen der Arbeitsmarktpolitik der nächsten Jahre sein. Zum einen gilt es, Personen möglichst frühzeitig in laufende Weiterbildungsmaßnahmen einzubeziehen, um das Entstehen von Qualifikationsdefiziten bzw. auch das Versäumen beruflicher Veränderungsprozesse möglichst zu verhindern. Zum anderen müssen die Maßnahmen auch zunehmend Personen in den letzten Jahren des Erwerbslebens gezielt im Hinblick auf einen Verbleib oder die Neuaufnahme einer Beschäftigung unterstützen, wo früher der Übergang in die Pension ein üblicher Ausweg war.
  • Umdenken der Betriebe: Die Betriebe müssen sich in Folge der sich ändernden Altersstruktur ihrer Belegschaften neuen Herausforderungen stellen: Die Zahl der Mitarbeitenden über 40 wird deutlich zunehmen und in vielen Betrieben in den nächsten Jahren die Zahl der unter 30-jährigen übersteigen. Damit wird eine deutlichere Auffächerung der Altersstruktur in den Betrieben einhergehen. Das heißt, dass auch in Betrieben, die bisher vor allem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer oder maximal zweier Generationen beschäftigt haben, zunehmend 3 Generationen beschäftigt sein werden. Das stellt die Unternehmen, wie die Belegschaft, vor neue Herausforderungen, die nur durch entsprechende Anpassungen in der Unternehmenskultur und der Arbeitsprozesse einerseits sowie der Qualifikation und der Einstellung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter andererseits bewältigt werden können.

Die Europäische Union hat in der "Europa 2020"-Strategie für das Jahr 2020 das Ziel definiert, 75 Prozent der Personen zwischen 20 und 64 Jahren in Beschäftigung zu haben. Dazu ist es unter anderem notwendig – und die Strategie weist explizit darauf hin - mehr ältere Arbeitskräfte länger im Job zu behalten (Verlängerung der Erwerbsphase). Qualifizierung, Lebenslanges Lernen und altersgerechte Arbeitsplätze, Bekämpfung von Vorurteilen und Motivation der Arbeitskräfte sind dafür entscheidende Faktoren. Die EU verfolgt dabei einen "lebenszyklusbasierten Ansatz" in der Beschäftigungspolitik, der unter anderem entsprechende Arbeitsbedingungen, Förderung geeigneter Arbeitsanreize und Hemmnisse für die Frühpensionierung vorsieht (Leitlinien für beschäftigungspolitische Maßnahmen der Mitgliedsstaaten, 30.6.2008; 10614/08; SOC 361). Der Europäische Sozialfonds nennt dieses Konzept des altersgerechten Arbeitens "active/productive ageing".

Weitere Informationen unter www.arbeitundalter.at

Der Europäische Sozialfonds (ESF)

Die Schaffung und der Erhalt von Arbeitsplätzen ist nicht nur eine nationale Priorität, sondern auch ein zentrales Anliegen der Europäischen Union. Der Europäische Sozialfonds (ESF) ist einer der beiden Strukturfonds, mit dem die Europäische Union bestehende Unterschiede in den Mitgliedstaaten ausgleichen will, um so den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt zu fördern.

Europaweit werden die ESF-Fördermittel für Maßnahmen in folgenden Bereichen eingesetzt:

  • Verbesserung der Anpassungsfähigkeit von Arbeitnehmenden und Unternehmen
  • Verbesserung des Zugangs zu Beschäftigung und Erhöhung der Erwerbsbeteiligung
  • Verstärkte Anstrengungen zur sozialen Eingliederung durch Bekämpfung von Diskriminierungen und Erleichterung des Zugangs zum Arbeitsmarkt für benachteiligte Personen
  • Förderung von Partnerschaften für Reformvorhaben im Bereich der Beschäftigung und bei der Eingliederung

Über den Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert die EU allein in Österreich Projekte in der Höhe von 472 Millionen Euro in der Periode 2007-2013. Dieser Betrag wird um weitere 600 Millionen Euro aus nationalen Mitteln ergänzt (Ko-Finanzierung). Das Budget fließt in Maßnahmen, die der Qualifizierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern dienen, die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung fördern und Maßnahmen für Lebensbegleitendes Lernen initiieren. Das Arbeitsmarktservice (AMS) organisiert einen Großteil dieser Kursangebote. Jährlich nehmen im Schnitt 27.000 Beschäftigte an Weiterbildungsmaßnahmen des AMS teil.

Die Mittel des Europäischen Sozialfonds werden in Österreich vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) verwaltet. Die Umsetzung der ESF-Maßnahmen und damit auch die Vergabe der ESF-Fördermittel erfolgt durch verschiedene Organisationen, die mit der Umsetzung der Fördervergabe betraut sind.

Weitere Informationen unter www.esf.at

Logo: Europäischer Sozialfonds

Die beiden Förderschienen QfB und QBB

Qualifizierungsförderung für Beschäftigte (QfB) und Qualifizierungsberatung für Betriebe (QBB) sind Instrumente, die sich an Klein- und Mittelbetriebe richten, welche in der Regel nicht über ausgeprägtes Know-how für Personal- bzw. Organisationsentwicklung verfügen. Ihnen soll durch das Service für Unternehmen die notwendige Hilfestellung geboten werden, durch Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, und durch professionelle Unternehmensberatung ihren Personalstand – vor allem auch ältere Arbeitskräfte über 45 Jahre – halten zu können.

  • Qualifizierungsförderung für Beschäftigte (QfB): 2009 wurden 56.442 Maßnahmen für 142.979 Teilnehmende organisiert und finanziert. Die Kosten dafür haben rund 21 Millionen Euro betragen. Finanziert werden zwei Drittel der Kursgebühren, bei Frauen ab 45 Jahren drei Viertel der Kursgebühren, je zur Hälfte aus Mitteln des ESF und des AMS.
  • Qualifizierungsberatung für Betriebe (QBB): QBB wurde im Jahr 2009 in 1.649 Betrieben durchgeführt. Dafür wurden 4.256.807,30 Millionen Euro aufgewendet, die zu 46 Prozent vom ESF und zu 54 Prozent vom AMS finanziert wurden.

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