Die Wirtschaftskrise erreicht den Arbeitsmarkt - Monatlicher Bericht zur Beschäftigungslage – Februar 2009

09.03.2009
Bundespressedienst/imb

Die im Vorjahr auf Europa übergeschwappte Finanz- und Wirtschaftskrise beginnt sich nun auf den Arbeitsmarkt der Europäischen Union auszuwirken. Auch Österreich bleibt davon jüngsten Zahlen zufolge nicht verschont. Um auf diese Situation besser reagieren zu können, erstellt die EU-Kommission seit Feber 2009 monatlich einen Bericht zur Beschäftigungssituation in der EU. Das jeweils aktuelle Zahlenmaterial soll helfen, Tendenzen und Entwicklungen rascher zu erkennen und so Beschäftigung und Wohlstand nach Möglichkeit zu erhalten.

Rapider Anstieg der Arbeitslosigkeit

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Beschäftigung waren im Lauf des Jahres 2008 noch moderat. Allerdings reagiert der Arbeitsmarkt auf wirtschaftliche Schwankungen mit einer Verzögerung von bis zu drei Quartalen. Die Arbeitslosenrate stieg im EU-Raum im Dezember 2008 gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozentpunkte (von 6,8 auf 7,4 Prozent). In den USA betrug die Steigerungsgrate im gleichen Zeitraum bereits 2,3 Prozentpunkte. Für 2009 rechnet die Kommission mit einem Anstieg der Arbeitslosenrate um 1,6 und bis Ende 2010 um 2,5 Prozentpunkte. Demnach wird 2010 knapp ein Zehntel der im Erwerbsleben stehenden EU-Bürgerinnen und EU-Bürger arbeitslos sein. Besonders dramatisch ist die Entwicklung am Beschäftigungsmarkt in Spanien: Hier beträgt die Arbeitslosenrate 13,9 Prozent, Ende 2009 werden es 16 Prozent sein, so die Befürchtungen.

Auch in Österreich stieg die Zahl der Arbeitslosen zuletzt sprunghaft an. Ende Februar betrug die Arbeitslosenrate 8,3 Prozent. Das bedeutet gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres einen Anstieg um 1,5 Prozentpunkte oder 23 Prozent mehr Arbeitslose als im Februar 2008.
Vom Beschäftigungsrückgang besonders betroffen waren im Jänner die metallverarbeitende Industrie, die Autoindustrie, der Finanzsektor sowie Transport- und Lagerwesen. Auch der Handel ist in Bewegung: Doch hier wird der Jobabbau durch Neuanstellungen zumindest teilweise wieder wettgemacht. Flexible Arbeitszeiten und Kurzarbeit konnten bis jetzt vor allem in der Autoindustrie Arbeitsplätze retten.

Junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter, freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer (atypische Beschäftigungsverhältnisse), Menschen mit Migrationshintergrund sowie ältere Personen sind von der steigenden Arbeitslosigkeit besonders gefährdet. Es handelt sich hierbei vor allem um Bezieherinnen und Bezieher von niedrigen Einkommen. Diese Personengruppe war bereits von der Teuerungswelle im ersten Halbjahr 2008 überproportional betroffen, da die Ausgaben für Lebensmittel und Energie in diesen Haushalten 50 Prozent und mehr von den Gesamtausgaben betragen.

Vor allem in Großbritannien, Polen, Tschechien, Deutschland und Italien steht aufgrund von Restrukturierungsmaßnahmen ein massiver Jobabbau bevor. Rund 70 Prozent der angekündigten Stellenstreichungen in der EU konzentrieren sich auf diese fünf Länder. Die Maßnahmen sind Folge der schwachen Nachfrage und des damit verbundenen massiven Produktionsrückganges.

Wege aus der Krise

Für die EU ist es daher wichtig, mit Konjunkturpaketen die betroffenen Wirtschaftssektoren wieder anzukurbeln. Neben nationalen wie kommunalen Anstrengungen – dazu zählen auch Maßnahmen wie Gebäudesanierungen oder die Verschrottungsprämie für alte Autos – plant die EU ein Konjunkturprogramm in der Höhe von fünf Milliarden Euro. Allerdings konnten sich die Außenministerinnen und Außenminister der EU-Länder noch nicht auf eine Liste der geförderten Projekte einigen. Auch Österreichs Außenminister Michael Spindelegger hielt die Liste für "geografisch und sektoriell unausgewogen". Kommissionspräsident José Manuel Barroso hofft auf eine Einigung vor dem EU-Gipfel am 19. und 20. März in Brüssel.