Trotz Krise wächst die Zuversicht – Monatlicher Bericht zur Beschäftigungslage – Mai 2009

Erstellt am: 12. Mai 2009
Bundespressedienst/imb

Die Wirtschaftskrise wirkt sich auf die Beschäftigungssituation weiterhin verheerend aus – die jüngsten Daten lassen jedoch auch den Schluss zu, dass die Talsohle bald erreicht ist. Nach dem bisher größten Anstieg an Arbeitslosigkeit im Februar verlangsamt sich der Abwärtstrend im März signifikant. EU-weit beträgt die Arbeitslosenrate im März 8,3 Prozent, das sind rund 21 Millionen Arbeitslose.

Nach wie vor sind vor allem junge Männer branchenbedingt von Arbeitslosigkeit betroffen. Dieser Trend führte nun dazu, dass sich im März erstmals die Arbeitslosenquoten von Frauen und Männern angeglichen haben. Bislang war die Arbeitslosigkeit bei Frauen um gut einen Prozentpunkt höher als bei den männlichen Kollegen.

Seit Beginn der Krise ist der Wirtschafts-Stimmungsindikator (Economic Sentiment Indicator ESI) erstmals gestiegen, nämlich von 60,3 auf 63,9 Punkte. Sollte dieser Trend anhalten, kann man von einer Umkehrung der Stimmungslage ausgehen.

Fachkräfte bevorzugt

Die Jugendarbeitslosigkeit bleibt weiterhin kritisch. Im Umkehrschluss zeigt sich jedoch, dass gut ausgebildete Fachkräfte mit Berufserfahrung nach wie vor gefragt sind. Betriebe, die Stellenabbau betreiben, versuchen gut ausgebildete Mitarbeiter möglichst lange zu halten. Sind auch die Stellenangebote in den meisten EU-Mitgliedstaaten rückläufig, bleibt die Nachfrage an Fach- und Schlüsselkräfte vergleichsweise hoch. Bei manchen Berufsgruppen herrscht sogar ein echter Mangel. So werden beispielsweise in Österreich zurzeit Köchinnen und Köche gesucht.

Grüne Jobs

Ein großes Augenmerk richtet die EU auf erneuerbare Energie. Förderungen in erneuerbare Energie wie Wind-, Sonnen- und Wasserkraft, Geothermie oder Biomasse helfen nicht nur den CO2-Ausstoß zu verringern, sie schaffen auch neue Arbeitsplätze. Diese so genannten "Grünen Jobs" könnten 2020 EU-weit bereits 2,3 bis 2,8 Millionen Beschäftigte ausmachen, was im günstigsten Fall einer Verdoppelung der Beschäftigungszahlen in diesem Sektor entspricht.

Inwieweit diese Entwicklung durch die Krise beeinträchtigt wird, ist schwer vorherzusagen. Zurzeit erfreut sich diese Branche noch an einem robusten Wachstum.

Österreich geht es vergleichsweise gut

Im Vergleich zu Spanien mit einer Arbeitslosenquote von 17,4 Prozent oder Großbritannien mit 10,6 Prozent steht Österreich ausgesprochen gut da. Nach dem internationalen von EUROSTAT verwendeten Berechnungsmodus hat Österreich mit 4,5 Prozent die zweitniedrigste Arbeitslosenquote nach den Niederlanden (2,8 Prozent).

Nach nationaler Definition beträgt die Arbeitslosenquote in Österreich 7,1 Prozent. Die österreichische Berechnungsmethode geht von einer engeren Definition der Erwerbstätigen und potenziell Erwerbstätigen aus als bei der internationalen Definition der Arbeitslosenquote. Deshalb ist der Prozentsatz nach nationaler Definition stets höher und dadurch mit den internationalen Zahlen nicht vergleichbar (siehe AMS – Fachbegriffe).

Mit 4,5 respektive 7,1 Prozent je nach Definition hat Österreich nun das Niveau an Arbeitslosigkeit der Jahre 2004, 2005 erreicht. Im vergangenen Monat ist die Zahl der neu angemeldeten Arbeitslosen auch bereits wieder leicht gesunken. Das soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es heute um ein Viertel mehr Arbeitslose gibt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die niedrige Quote wird auch für die Betroffenen wenig Trost bieten – schließlich stehen rund 225.800 Stellensuchenden nur etwa 44.600 Stellenangebote gegenüber. (Die aktuellen Zahlen können auf der Website des Arbeitsmarkt Services "live" mitverfolgt werden.)

Zeigen auch die ersten Indikatoren wie das Wirtschaftsstimmungs-Barometer nach oben, wird sich der Trend steigender Arbeitslosigkeit weiterhin fortsetzen. Die pessimistische Prognose der EU-Kommission für die Arbeitslosenquote in Österreich 2010 lautet 7,1 Prozent – diesmal jedoch nach internationaler Definition.