Die Krise als Chance verstehen – Monatlicher Bericht zur Beschäftigungslage – Juni 2009

Erstellt am: 15. Juni 2009
Bundespressedienst/imb

Im Vergleich zum vorangegangenen Monatsbericht bringen die bis Mai 2009 reichenden Daten nichts signifikant Neues. Die Wirtschaftskrise wirkt sich weiterhin negativ auf die Beschäftigungssituation aus. Die Arbeitslosigkeit ist EU-weit im April auf 8,6 Prozent gestiegen und hat nun im Jahresvergleich ausnahmslos jedes Mitgliedsland erreicht. Die EU-Kommission zeigt sich in seiner Mitteilung "Ein gemeinsames Engagement für Beschäftigung" bereit, die Krise für eine Neuausrichtung der europäischen Wirtschaft zu nutzen.

Neben den negativen Trends halten auch die wenigen positiven Entwicklungen des vorigen Monats an. Die Kurven – wenn auch weiterhin im Abwärtstrend – verflachen zusehends. In der Periode April-Mai gab es nur halb so viele Vorwarnungen an Kündigungen wie in der Zeit von Dezember 2008 und Jänner 2009, als die Krise den Arbeitsmarkt mit voller Wucht erreicht hatte. Der Stellenabbau kann aber auch im April nicht durch neue Jobs wettgemacht werden. Der Wirtschafts-Stimmungsindikator (Economic Sentiment Indicator ESI) ist zum zweiten Mal in Folge gestiegen, nämlich von 63,9 auf 66,7 Punkte. Das heißt, das Stimmungsbarometer steigt langsam von seinem historischen Tief wieder an.

Die Leidtragenden der Entwicklung sind nach wie vor Jugendliche unter 25 Jahren sowie Männer. Zum ersten Mal gibt es nun mehr arbeitslose Männer als Frauen. Besonders dramatisch bleibt jedoch die Situation bei den jungen Arbeitnehmenden: Die Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen beträgt in der EU 18,7 Prozent. Im Vergleich zu April 2008 sind das 28 Prozent mehr Jugendliche ohne Arbeit.

Von Spanien bis Holland

Das Ranking der Mitgliedstaaten in Bezug auf die Arbeitslosenrate bietet ein weites Spektrum von Spanien mit 18,1 Prozent (April 2009) bis zu den Niederlanden mit erstaunlich niedrigen drei Prozent. Österreich wartet mit 4,2 Prozent die zweitniedrigste Arbeitslosenrate auf und ist im Vergleich März zu April das einzige EU-Land mit leicht sinkender Arbeitslosigkeit.

Zu den Ländern mit dramatisch hoher Quote zählen neben Spanien Lettland mit 17,4 Prozent, Litauen mit 16,8, Estland mit 13,9, Irland und Slowakei mit je 11,1 sowie Ungarn mit 9,6 Prozent. Auf Spanien fallen nahezu 40 Prozent des gesamten EU-weiten Anstiegs an Arbeitslosen seit Beginn der Krise.

Schlüsselsektor Transportwesen

Von September 2008 bis Mai 2009 kam es im Transportwesen zu 41.300 Entlassungen, denen nur 13.600 neue Jobs gegenüberstehen. Insgesamt waren das dreimal so viel verlorene Jobs wie im Vergleichszeitraum 2007-2008. Besonders betroffen waren in erster Linie Speditionen wie auch Fluglinien und die Bahn.

Der Sektor ist für die Gesamtwirtschaft von großer Bedeutung. Mit 6,6 Prozent Anteil am Bruttosozialprodukt (BSP) der EU und 5,8 Prozent der Beschäftigten stellt dieser Sektor darüber hinaus generell die Grundlage wirtschaftlicher Tätigkeit dar. Das betrifft Güter- ebenso wie Personenverkehr.

Doch dieser Schlüsselsektor ist auch sehr anfällig: Hohe Treibstoffkosten belasten vor allem den Flugverkehr, die sinkende Nachfrage die LKW-Transporte. Und die Investitionsengpässe machen es schwer, die kostenintensiven Infrastrukturen (Straße, Schiene, Fahrzeuge) in Stand zu halten. Gleichzeitig gibt es in der EU die klare Wegrichtung zu einer Ökologisierung des Transportwesens, etwa eine Trendumkehr zurück zur Bahn und weg von der Straße. Dadurch birgt dieser Sektor in Zukunft auch viel Potenzial für so genannte Grüne Jobs. Die Krise kann also auch als Chance genutzt werden.

Gemeinsam für mehr Beschäftigung

Unter dem Titel Ein gemeinsames Engagement für Beschäftigung hat die Europäische Kommission eine Linie zur Bewältigung der Beschäftigungskrise herausgebracht. Darin werden drei Schlüsselpunkte hervorgehoben:

  • Beschäftigung erhalten, Arbeitsplätze schaffen und Mobilität fördern
  • Qualifikation fördern und an die Erfordernisse des Arbeitsmarktes anpassen
  • den Zugang zu Beschäftigung fördern

Neben den Maßnahmen gegen die Krise spricht sich die Kommission für eine grundlegende Neuausrichtung der Wirtschaft aus:

"Europa muss die Rezession nicht nur bewältigen, sondern sie vielmehr in eine Gelegenheit umwandeln, eine produktivere, innovativere, besser qualifizierte und umweltfreundlichere Wirtschaft zu schaffen, eine Wirtschaft mit offenen und integrativen Arbeitsmärkten, eine Wirtschaft, die größeren Zusammenhalt und eine gerechtere Gesellschaft ermöglicht und Arbeitsplätze bietet, die die Belange der verschiedenen Altersgruppen, die Geschlechtergleichstellung und die Work-Life-Balance berücksichtigen."