Weitere Entwicklung bleibt ungewiss – Monatlicher Bericht zur Beschäftigungslage – August/September 2009

Erstellt am 28. September 2009
Bundespressedienst/imb

Die Beschäftigungssituation bleibt trotz optimistischer Einschätzungen der wirtschaftlichen Entwicklung weiterhin angespannt. Die EU ist insgesamt mit einem moderaten wirtschaftlichen Rückgang von 0,2 Prozent nach wie vor in Rezession. Einige große EU-Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien konnten im zweiten Quartal gegenüber dem ersten allerdings bereits ein Wachstum verbuchen. Einschätzungen der OECD und der EU-Kommission zufolge ist die Rückkehr in die Wachstumszone in den kommenden Monaten zu erwarten. Die Ängste vor einer lang andauernden tiefen Rezession schwinden zusehends.

Dennoch: Am Arbeitsmarkt scheint das Schlimmste noch bevorzustehen. Bis zu zwei oder drei Quartale hinken Entwicklungen bei der Beschäftigung jenen der Wirtschaft nach. Demnach ist eine Erholung erst im kommenden Jahr denkbar. Bis dahin wird sich die Lage, wenn auch nicht mehr so rasch wie in der Periode 2008/2009, verschlechtern.

Österreich behauptet sich mit zweitniedrigster Arbeitslosenrate

In der EU stieg die Zahl der Arbeitslosen im Juli um 225.000 Personen auf 21,8 Millionen (saisonell berichtigt). Das sind 5,1 Millionen oder ungefähr 30 Prozent mehr als im Juli 2008. Die Arbeitslosenrate der EU beträgt im Juli somit neun Prozent. Trauriger Rekordhalter bleibt Spanien mit 18,5 Prozent. Die niedrigste Rate haben die Niederlande mit 3,4 Prozent. Gleich dahinter reiht sich mit 4,4 Prozent (nach internationaler Definition) Österreich ein. Dem Institut für Höhere Studien (IHS) zufolge erwartet Österreich noch heuer ein Anstieg auf 5,4 Prozent. Der Höhepunkt der Beschäftigungskrise könnte nächstes Jahr mit 6,3 Prozent (oder 8,8 Prozent nach nationaler Berechnungsmethode) bevorstehen.

L, U, V oder W?

Wenn auch immer öfter von einem Ende der Krise oder von einem Erreichen der Talsohle die Rede ist – wie es weitergeht, lässt sich tatsächlich kaum feststellen. Die Szenarien lassen sich anhand der Kurvenform in L, U, V oder W einteilen. Die bis vor kurzem noch gängigste Prognose hätte eine L-Kurve gebildet. Das heißt: Rascher Abstieg in die Rezession (wie erlebt) und sehr langsamer Aufstieg in die Wachstumszone. Den neuesten Trends zufolge wird die U-Form erwartet: Nach einem längeren Verharren in der Talsohle geht es wieder rapide aufwärts. Angesichts mancher Kursentwicklungen sprechen Analysten aber auch von einer unmittelbar bevorstehenden raschen Erholung, also einer V-Form. Eine derart rasche Entwicklung könnte aber auch einen unkontrollierten Höhenflug mit anschließendem Crash zufolge haben, die der Form eines Ws entspricht – einem so genannten "Double Dip", also einem zweimaligen Abtauchen in die Rezession.

Kehrt man zum Ausgangspunkt der Krise, in die USA, zurück, lässt sich dort eine Stabilisierung der Arbeitslosenzahlen feststellen. Zwar musste in den USA ein viel rasanterer Anstieg der Arbeitlosquote verbucht werden, seit Mai 2009 bleibt diese jedoch mit 9,4 Prozent stabil auf hohem Niveau. Sollte sich in den USA in den kommenden Monaten die Arbeitslosenzahl verringern, könnte sich dieser Trend auch in der EU fortsetzen. Dennoch: Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass sich positive Wirtschaftstrends nicht in demselben Ausmaß auf die Beschäftigungslage auswirken wie negative. Auf die Arbeitsmarktsituation beschränkt bleibt eine L-Kurve demnach die wahrscheinlichste Prognose.

Gewinner und Verlierer in Gastronomie und Tourismus

Gastronomie und Tourismus zeigen deutlich, wie unterschiedlich sich die wirtschaftliche Entwicklung auf die Beschäftigungssituation einer Branche auswirken kann. Mit rund acht Millionen Beschäftigten in der EU und einem Umsatz von rund 440 Milliarden Euro jährlich (Wert von 2006) ist diese Branche als vergleichsweise arbeitsintensiv zu beurteilen. In den Jahren 1999 bis 2007 stiegen die Beschäftigungszahlen sogar rascher als die Umsätze, was in vielen anderen Branchen nicht der Fall war.

Die anfängliche Finanzkrise konnte dem Bereich noch wenig anhaben, erst als das reale Einkommen zu sinken begann, der Arbeitsplätze unsicher wurden, setzte der Sparwille der Gäste der Gastronomie zu. Zu den Verlierern zählt die Hotellerie: Jüngsten Zahlen von Deloitte zufolge verzeichnete dieser Sektor Einbußen von rund 20 Prozent im Jahresvergleich zu Juni 2008 – der schlimmste je verzeichnete Rückgang. Obwohl für den Sommer noch keine Zahlen vorliegen, lässt sich bereits ein Trend zum billigen oder zum Urlaub zuhause feststellen. Und wenn man im Urlaub schon nicht wegfährt, gönnt man sich eben zuhause mehr und geht öfters aus. Dadurch sind Restaurants, Gasthäuser und Lokale, die auf Touristen ausgerichtet sind stärker betroffen als solche mit eher heimischen Gästen.

Zu den Gewinnern der Branche zählen eindeutig Fast-Food-Ketten: Rund 12.000 neue Jobs gehen in der EU alleine auf das Konto von McDonalds. Als relativ resistent zeigen sich auch Catering-Services.