Trotz Erholung der Wirtschaft steht dem Arbeitsmarkt noch das Schlimmste bevor– Monatlicher Bericht zur Beschäftigungslage – November 2009

Erstellt am 19. November 2009
Bundespressedienst/imb

Den neuesten Daten zufolge beginnt sich die Wirtschaft in der EU wieder zu erholen. Nach den Einbrüchen Ende des vergangenen Jahres und dem Abwärtstrend des ersten Halbjahres wird das dritte Quartal für die EU voraussichtlich die Rückkehr zum Wachstum bedeuten. Auch am Arbeitsmarkt gibt es zarte Anzeichen einer Stabilisierung, dennoch kann hier mit einer Trendumkehr, also einem allgemeinen Sinken der Arbeitslosenzahlen, nicht vor 2011 gerechnet werden.

Wachstum ohne Beschäftigung

Die vorliegenden Daten zeigen bereits, dass vor allem die großen EU-Mitgliedsländer die Wachstumszone erreichen. Deutschland und Frankreich konnten bereits im zweiten Quartal ein steigendes BIP vorweisen. Italien wird im dritten Quartal folgen. Nur in Spanien und Großbritannien bleibt die Wirtschaftsleistung schwach. In Polen bleibt die Wirtschaftsleistung ebenfalls zurück, aber auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Letzteres ist auf das hohe Wirtschaftswachstum zwischen 2003 bis 2008 zurückzuführen. Darüber hinaus sind Polen und Luxemburg die einzigen EU-Mitgliedstaaten, die im zweiten Quartal 2009 ein Beschäftigungswachstum vorweisen können.

Von der Krise am heftigsten betroffen sind das Baltikum, Spanien, Irland und die Slowakei. Lettland hat im September mit 19,7 Prozent die höchste Arbeitslosenrate in der EU erreicht und löst somit Spanien auf diesem traurigen Spitzenplatz ab. Österreich und die Niederlande finden sich nach wie vor am anderen Ende der Skala.

Wie an dieser Stelle schon öfters erwähnt, hinkt der Arbeitsmarkt den wirtschaftlichen Entwicklungen bis zu drei Quartalen hinterher. Es ist nicht einmal gesagt, dass ein Wirtschaftswachstum zwangsweise zu mehr Beschäftigung führt. In diesem Fall sprechen Wirtschaftsforscher von "Jobless Recovery" oder "Beschäftigungsfreiem Wachstum". Das Phänomen ist in den USA seit den 1990ern bekannt: Trotz Wachstum entstehen keine qualitativen neuen Jobs. Anstelle der verlorenen Arbeitsstellen werden allenfalls prekäre Arbeitsverhältnisse oder so genannte "McJobs" in Anlehnung an die Arbeitsverhältnisse von Fastfood-Ketten geschaffen. Eine derartige Entwicklung gab es in der EU bislang nicht in diesem Ausmaß.

Im Vergleich zur USA hat sich die Wirtschaftskrise in der EU bedeutend weniger auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen. Stieg die Arbeitslosenrate in den USA im Vergleich September 2008 und September 2009 um 3,6 Prozentpunkte auf 9,8 Prozent so waren es in der EU "nur" 2,1 Prozentpunkte auf 9,2 Prozent. In absoluten Zahlen heißt das 22,1 Millionen arbeitslose EU-Bürger und rund 285.000 mehr als ein Monat zuvor.

Jugend ohne Arbeit

Auch wenn im Lauf des Jahres zunehmend Personen der Altersgruppe 25-49 von Arbeitslosigkeit betroffen waren, sind es vor allem Jugendliche, die die Krise am härtesten trifft. Mit 20,2 Prozent ist der Wert des Jahres 2005 unterboten und somit der Tiefststand seit Erhebung der Daten in den 27 Mitgliedsländern der EU erreicht. EU-weit waren im September rund 4,4 Millionen der unter 25-Jährigen ohne Arbeit. Jugendliche sind von der Jobless Recovery im hohen Maße betroffen. Da diese, um überhaupt ins Arbeitsleben eintreten zu können, verstärkt in prekäre Jobs abgedrängt werden – Stichwort "Generation Praktikum".

Autoindustrie ohne Perspektiven

Von der Krise bereits Mitte 2008 am heftigsten erfasst, konnte sich die Autoindustrie im Lauf des Jahres leicht erholen. Prämienaktionen für die Verschrottung von Autos wurden in 12 EU-Ländern durchgeführt und konnten so im Privatsektor ab Juni 2009 einen Anstieg bewirken. Im September wurde im Jahresvergleich sogar ein Anstieg von 6,3 Prozent erreicht. Unterm Strich rechnet man im Gesamtjahresvergleich mit einem moderaten Rückgang von 3,6 Prozent – wohl gemerkt für den Privatsektor. Darüber hinaus können jetzt noch keine Prognosen angestellt werden, wie sich die Verkaufszahlen nach Auslaufen der diversen Stützungen weiterentwickeln werden.

Dramatischer ist der Rückgang bei betrieblich genutzten Automobilen. In diesem Bereich gingen die Neuanmeldungen im September verglichen mit dem Monat im Jahr davor um 27,7 Prozent zurück. In diesen Zahlen spiegelt sich vor allem das stark rückläufige Transportwesen wider, das wiederum aus der nachlassenden Produktion resultiert. In den vergangenen Monaten hat sich dieser Trend auf die Zulieferindustrie ausgewirkt. Automobilverbände schätzen, dass zwischen 30 bis 60 Prozent der Zulieferer in den kommenden Monaten in den Konkurs schlittern werden.

Zwischen Juli und Oktober 2009 gab es im Zuge von Restrukturierungsmaßnahmen 14.486 Kündigungen in der europäischen Automobilbranche – ein Trend, der sich noch lange fortsetzen wird. Alleine bei Opel werden in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich 10.000 Stellen abgebaut.