Europas größte Angst: Arbeitslosigkeit

Am meisten sorgen sich europäische Bürgerinnen und Bürger um ihren Arbeitsplatz. Gleichzeitig setzen sie jedoch Hoffnung in die EU-Arbeitsmarktpolitik und deren Kampf gegen Arbeitslosigkeit. Das geht aus der jüngsten Eurobarometer-Umfrage hervor.

Erstellt am: 16. Dezember 2009
Bundespressedienst/bt

Zwei Männer auf einer Parkbank.

Kein Job: Laut Eurobarometer Europas Sorge Nummer eins (© European Commission)

61 Prozent der Europäerinnen und Europäer sind überzeugt davon, dass der Höhepunkt der Wirtschaftskrise noch nicht erreicht ist. Ein Drittel der Erwerbstätigen ist sehr besorgt, wegen der Krise ihren Arbeitsplatz zu verlieren. 72 Prozent meinen jedoch, dass die EU eine positive Rolle bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit spielt.

Knapp über die Hälfte der Europäerinnen und Europäer (52 Prozent) bewertet die Rolle der EU in der Beschäftigungs- und Sozialpolitik insgesamt positiv. In einigen Detailbereichen ist diese positive Einschätzung sogar noch größer: Das gilt etwa für die Rolle der EU bei der Verbesserung des Zugangs zur allgemeinen und beruflichen Bildung (78 Prozent), die Förderung der Gleichberechtigung (76 Prozent), die Bekämpfung anderer Diskriminierungsformen (73 Prozent) oder die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (72 Prozent).

Jobkiller Wirtschaftskrise

3,5 Prozent der befragten Erwerbstätigen haben durch die Wirtschaftskrise ihren Arbeitsplatz verloren. 24 Prozent gaben an, dass ein Kollege oder eine Kollegin und 36 Prozent, dass ein Freund, eine Freundin oder ein Familienmitglied die Arbeit verloren hat.

32 Prozent der Erwerbstätigen sind sehr besorgt, dass sie selbst ihre Stelle verlieren könnten, 38 Prozent machen sich Sorgen, dass das ihrem Partner beziehungsweise ihrer Partnerin oder ihren Kindern passieren könnte. Zu dieser Angst kommt die Besorgnis, dass die Spitze der Krise noch bevor steht.

Von der Arbeitslosigkeit am schwersten betroffen sind laut dieser Umfrage Lettland, Litauen, Spanien und Irland. Dort sind die Menschen auch pessimistischer, was den Aufschwung betrifft. In Lettland denken 82 Prozent, in Estland 76 Prozent und in Litauen 74 Prozent der Befragten, dass die schlimmsten Auswirkungen der Krise noch bevorstehen. EU-weit ist lediglich ein knappes Drittel der Befragten (28 Prozent) der Meinung, dass der Höhepunkt der Wirtschaftskrise bereits erreicht sei.

Fehlende Flexibilität

Europäerinnen und Europäer sind nicht unbedingt mobil und flexibel, wenn es um den Arbeitsplatz geht. Bei der Suche nach einer neuen Beschäftigung würden sich die meisten Befragten am liebsten für die gleiche Arbeit am selben Ort entscheiden. Sie zeigen allerdings mehr Flexibilität beim Wechsel des Wohnortes als dabei, eine andere Art von Beschäftigung anzunehmen als sie derzeit ausüben. Gleichzeitig glaubt die Mehrheit der europäischen Bevölkerung aber, dass Anpassungsfähigkeit nach Berufserfahrung und Qualifikation zu den wichtigsten Faktoren gehört, wenn es darum geht, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.

Nicht nur der Arbeitsmarkt ist innerhalb der EU-27 ein wichtiges Thema. So halten etwa 28 Prozent der befragten Österreicherinnen und Österreicher die Sicherung der Spareinlagen durch den Staat für die wichtigste Maßnahme in Zusammenhang mit der Reform des Finanzmarktes. Österreich nimmt dabei den Spitzenplatz ein. Diese Maßnahme halten sonst nur noch die Menschen in Luxemburg (21 Prozent) und in Zypern (20 Prozent) für annähernd wichtig.

Gefragt wurde auch nach der Bedeutung von Themen wie Kriminalität, Inflation, Immigration, Bildung oder Terrorismus. Am meisten Sorge vor Kriminalität haben die Menschen in Dänemark (39 Prozent), am wenigsten die Malteserinnen und Malteser (fünf Prozent). Österreich liegt mit 18 Prozent im Mittelfeld. Dagegen spielt in Malta die Immigration eine wichtige Rolle (34 Prozent), für die Estinnen und Esten dagegen überhaupt keine. Österreich liegt mit 17 Prozent auch hier im Mittelfeld. Kaum Angst herrscht im EU-Raum vor Terrorismus. Hier gehen die Angaben bis höchstens zwölf Prozent (Spanien).

Vertrauen in Regierung

Haben die Europäerinnen und Europäer Vertrauen, dass ihre nationalen Regierungen die geeigneten Maßnahmen setzten, um die Krise zu bewältigen? Während in der Tschechischen Republik nur sechs Prozent der Befragten glauben, dass ihre eigene Regierung in der Lage ist, nachhaltig wirksam zu agieren, glauben das in Malta 39 Prozent, in Rumänien 38 Prozent sowie 21 Prozent der Britinnen und Briten und auch der Österreicherinnen und Österreicher.

Und wie sehr rechnen die Menschen im Katastrophenfall mit wirksamen Hilfsmaßnahmen durch ihre nationalen Regierungen? Die Österreicherinnen und Österreicher liegen dabei ganz vorne: 55 Prozent vertrauen darauf, dass sie Hilfe bekommen, gleich viel wie in Finnland. Stärker ist dieses Vertrauen nur in Dänemark (57 Prozent) ausgeprägt. Am niedrigsten ist das Vertrauen in Lettland (zehn Prozent), wobei der Durchschnitt innerhalb der EU-27 bei 33 Prozent liegt.

Die "Eurobarometer 72"-Umfrage wurde zwischen 23. Oktober und 18. November 2009 durchgeführt. Befragt wurden insgesamt 30.238 Menschen in den 27 EU-Mitgliedstaaten, den drei Kandidatenländern Kroatien, Mazedonien und Türkei sowie im Türkischen Teil Zyperns.

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