Der Arbeitsmarkt bleibt angespannt – Monatlicher Bericht zur Beschäftigungslage – Dezember 2009

Erstellt am 22. Dezember 2009
Bundespressedienst/imb

Die neuen Daten zeigen ein kaum verändertes Bild. Es verbessert sich zwar die wirtschaftliche Lage in der EU zaghaft, auf den Arbeitsmarkt hat das jedoch nur wenig Auswirkung. Aufgrund der vollständigen Zahlen für das dritte Quartal bestätigt sich die Prognose, wonach die EU mit 0,3 Prozent Steigerung des Bruttoinlandsprodukts in diesem Zeitraum in die Wachstumszone zurückgekehrt ist. Für das nun zu Ende gehende vierte Quartal wird ein Wachstum von 0,2 Prozent erwartet. Dies geht vor allem auf das Anspringen der industriellen Produktion in Italien, Frankreich, Deutschland und Polen zurück.

Die Arbeitslosenrate stieg im Oktober in der EU auf 9,3 Prozent. Das sind insgesamt 22,5 Millionen Menschen ohne Arbeit und rund 258.000 Personen mehr als im Monat zuvor. Auch in Bezug auf die Jugendarbeitslosigkeit zeichnet sich keine Änderung ab: Sie erreicht mit 20,7 Prozent einen weiteren Höchstwert seit der Verfügbarkeit der Eurostat-Daten. Besonders dramatisch ist die Situation für junge Menschen in den baltischen Staaten und in Spanien. In Spanien sind vier von zehn Jugendlichen ohne Arbeit. Eine ganze Generation droht dort mit dem Gefühl aufzuwachsen, nicht gebraucht zu werden.

In Folge von Restrukturierungen und Konkurse gab es im November 45.349 angekündigte Jobstreichungen im Gegenzug zu nur 5.000 neu geschaffenen Stellen. Auch in Österreich sind mit dem Quelle-Konkurs 1.100 Mitarbeiter beim AMS vorangemeldet. Dennoch ist der Anteil der Jobverluste durch Konkurse von 35,9 Prozent im Oktober auf 19,3 Prozent im November gesunken. Gestiegen sind hingegen die Anteile bei Restrukturierungsmaßnahmen (von 59,9 auf 74 Prozent), sowie bei der Verlagerung von Arbeitsplätzen außerhalb der EU (von 2,9 auf 6,3 Prozent).

Sorgenkind Griechenland

Spätestens seit den gewaltsamen Demonstrationen in Athen ist der EU-Mitgliedstaat Griechenland mit seinen hohen Staatsschulden zum neuen Sorgenkind der EU geworden. Das Staatsdefizit der Griechen könnte heuer 12,7 Prozent des BIP betragen, die Gesamtschulden 113,4 Prozent. Schon jetzt klagen Staaten und Konzerne über die schlechte Zahlungsmoral der Hellenen. Die Kreditwürdigkeit des Landes wurde auf das niedrigste Rating herabgestuft, das ein Euro-Land je hatte. Einsparungen im Sozial- und Pensionswesen sowie Gehaltskürzungen gehören zu den Maßnahmen der jungen Regierung unter Premierminister Georgios Papandreou.

Bislang blieb Griechenland von einer hohen Arbeitslosenrate verschont. Mit 9,2 Prozent im zweiten Quartal befindet sich Griechenland im EU-Schnitt. Der Anstieg aufgrund der Wirtschaftskrise ist sogar unterm Durchschnitt. Überdurchschnittlich hoch ist jedoch die Jugendarbeitslosigkeit. Weshalb vor allem Jugendliche in Athen auf die Barrikaden stiegen und für Tumulte sorgten.

Wie die EU auf die Finanzprobleme des Mitgliedslandes reagieren soll oder kann wird auf alle Fälle ebenso ein Präzedenzfall sein, wie das gegebenenfalls auch der Konkursfall eines Landes in der EU wäre. Soll Griechenland unter Kuratel gestellt werden? Ist das überhaupt möglich? Was passiert, wenn ein EU-Land zahlungsunfähig wird? Das schlimmste Szenario geht davon aus, dass Griechenland andere gefährdete EU-Mitglieder mitreißt, wie etwa Spanien, Portugal, Italien oder Irland, die bereits argwöhnisch von Rating-Agenturen beäugt werden. Griechenlands Schulden werden die EU daher noch mit Sicherheit beschäftigen.