Gemeinsam an einem Strang ziehen

Das Bundessozialamt entwickelte ein inzwischen langjährig erprobtes Beratungsprogramm, das Menschen mit Behinderung auf den verschiedenen Etappen ihres Berufsweges fördert.

Zu Beginn der Berufskarriere steht das "Clearing", zu Deutsch "Abklärung". Jugendliche mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung, die nach der Schule eine Lehre beginnen wollen, und/oder einen Arbeitsplatz suchen, werden beraten und beim Finden eines Ausbildungsplatzes unterstützt.

Sobald die Betroffenen sich für eine Berufsausbildung entschieden haben, hilft ihnen die Berufsausbildungsassistenz weiter. Hier gilt es vor allem herauszufinden, ob eine verlängerte Lehrausbildung, oder eine Teilqualifizierung in Frage kommt. Erstere streckt die Lehrausbildung über einen längeren Zeitraum um den Menschen mit besonderen Bedürfnissen die Chance zu geben, die Anforderungen zu bewältigen. Zweitere streicht in Abstimmung mit der jeweiligen Standesvertretung Lehrinhalte, die den betreffenden Jugendlichen überfordern würden.

Nach erfolgtem Lehrabschluss beziehungsweise der Teilqualifizierung wenden sich die Jugendlichen wieder an die Betreuerinnen und Betreuer der Arbeitsassistenz. Das Finden und das Behalten eines Arbeitsplatzes stehen dabei im Mittelpunkt. Dies geschieht auch in enger Abstimmung mit den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, um die Erwartungen und Bedürfnisse aller Beteiligten frühzeitig abzuklären.

Allen drei Programmstufen ist gemeinsam, dass in zahlreichen Gesprächen mit den Betroffenen, ihren Angehörigen und in Zusammenarbeit mit interessierten Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern in der jeweiligen Region, ein Persönlichkeits- und Arbeitsprofil erstellt wird. Teils wird dieses Profil auch mit Hilfe von standardisierten Tests ermittelt. Das Ergebnis umfasst nicht nur bestehende Fähigkeiten, sondern zeigt auch mittel- und langfristige Entwicklungspotentiale der Jugendlichen auf und wird laufend angepasst.

Julia und Markus – Ein Praxisbericht

Julia aus Tirol beginnt im Februar ihre Kochlehre. Sonja Cerny, ihrer Betreuerin vom Verein arbas (Arbeitsassistenz Tirol) erzählt: "Gleich im ersten Gespräch wurde deutlich, dass Julia eine große Leidenschaft fürs Kochen mitbringt und sehr kommunikativ ist." Julia war schon nach dem Abschluss der Sonderschule beim Verein und wurde damals zum Aufbauwerk der Jugend vermittelt. Dort ging es vor allem darum, zu lernen, angefangene Arbeiten auch zu Ende zu bringen. Dank ihrer, für sie enormen Entwicklung konnte sie sich erfolgreich für eine Lehrstelle im "Café 4A" der Lebenshilfe Tirol bewerben. An Frau Cerny lag es nun herauszufinden, wie Julia diese auch mit Erfolg abschließen könne. Nach mehreren Gesprächen mit Julia und einigen Arbeitsübungen war klar, dass für Julia eine Teilqualifizierung geeignet sei. Sie wird dabei nicht alle Lehrinhalte absolvieren, auf Englisch- und Französischstunden verzichten und maximal 30 bis 35 Stunden arbeiten. Am Ende ihrer Ausbildung bekommt sie ein Zertifikat über das erworbene Wissen. Wenn sie danach nicht an ihrer Lehrstelle bleiben kann, wird ihr die Arbeitsassistenz auch bei den nächsten Schritten weiter helfen.

Markus wollte ursprünglich KFZ-Mechaniker werden. Sein Klassenvorstand in der Polytechnischen Schule empfahl ihm ein Clearing, um seine beruflichen Perspektiven auszuloten. Im Clearingprozess wurde Markus - neben ausführlichen Gesprächen -auch psychologisch getestet, um sein Begabungsprofil auszuloten.

Um auch in der Praxis sicherzustellen, dass Markus es mit dem Beruf des KFZ-Mechanikers tatsächlich ernst meint, wurde ein Praktikum vereinbart. Die Rückmeldungen des Betriebes waren ausgesprochen positiv. Er zeigte sich interessiert und legte handwerkliches Geschick an den Tag. Die Betreuerin empfahl dennoch eine weitere Schnupperwoche in einem anderen Berufsbereich. Markus entschied sich für die Landwirtschaft. Auch dort bestätigte sich, dass Markus' Stärken in der praktischen Tätigkeit liegen. Und: Der landwirtschaftliche Praktikumsbetrieb zeigte Interesse daran, Markus als Lehrling aufzunehmen.

Nach ausführlichen Beratungsgesprächen mit Markus und seinen Eltern entschied er sich tatsächlich für den landwirtschaftlichen Ausbildungsplatz. Gemeinsam mit seiner Familie nahm Markus die Berufsausbildungsassistenz (BAS) in Anspruch, welche die Integrative Berufsausbildung begleitete. Auch der Ausbildungsbetrieb wurde eingehend beraten. Gemeinsam wurde beschlossen, zunächst mit der verlängerten Lehre zu beginnen und bei Bedarf auf die Teilqualifikation umzusteigen.

Heute kümmert sich Markus an seine Lehrstelle, die nach dem Demeter-Prinzip geführt wird, vorwiegend um eine gerade im Aufbau befindliche Herde von Muttertieren. Um die berufsschulischen Anforderungen reduzieren zu können, wurde in Kooperation mit der Landesberufsschule und dem Ausbildungsbetrieb mittlerweile entschieden, seine Ausbildung von der verlängerten Lehre auf die Teilqualifizierung umzustellen. Markus' praktische, berufliche Tätigkeit hat sich durch diesen Umstieg nicht geändert.

Das Programm wird österreichweit durchgeführt und sehr gut angenommen, wie die Zahlen belegen:

1) Clearing
2008: 6690 Förderfälle
2009: 7162 Förderfälle

2) Berufsausbildungsassistenz
2008: 3555 Förderfälle
2009: 3933 Förderfälle

3) Arbeitsassistenz
2008: 10319 Förderfälle
2009: 10850 Förderfälle

Im Jahr 2009 standen dem Bundessozialamt Fördermittel in der Höhe von 177,8 Millionen Euro zur Verfügung. Die EU trug dazu 17 Millionen Euro aus Mitteln des ESF bei.

Schwerpunktmäßig finanzierte das Bundessozialamt daraus Projekte,

  • um Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu integrieren, entsprechende Arbeitsplätze zu schaffen und nachhaltig zu sichern, sowie für entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen (zum Beispiel Lehrabschluss),
  • zur Individualförderungen von Menschen mit Behinderung. Dabei wurde ein Großteil der dafür eingesetzten Budgetmitte für individuelle Lohnförderungen aufgewendet,
  • wie Unternehmensservice und Förderungen zur beruflichen Mobilität.

Informationen zu den Trägervereinen des Programms in Ihrer Umgebung erhalten Sie auf der Website des Bundessozialamtes.

Links

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Berufsausbildungsassistenz
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