Eurozone erreicht die Zehn-Prozent Hürde – Monatlicher Bericht zur Beschäftigungslage – Jänner 2010

Die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf die Beschäftigungssituation lassen die Arbeitslosenzahlen auch weiterhin ansteigen – und das trotz der deutlich besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. In der Eurozone, die aus den 16 EU-Ländern mit Euro-Währung besteht, hat die Arbeitslosenquote im November die Zehn-Prozent Hürde erreicht, EU-weit (EU27) lag sie den vorliegenden Daten zufolge bei 9,5 Prozent.

Von imb

In absoluten Zahlen sind das 22,9 Millionen Menschen ohne Erwerbsbeschäftigung in der EU. Im Schnitt stieg die Arbeitslosenquote seit August um 0,1 Prozentpunkte pro Monat. Davor war der Anstieg bedeutend schneller. Mit Ausnahme von Österreich, das im November eine leicht fallende Arbeitslosenquote verbuchen konnte, stieg sie in den meisten Ländern an oder blieb gleich, wie etwa in Deutschland. Die schon bekannten Sorgenkinder sind Lettland, Estland und Litauen sowie Spanien, Irland und Slowakei. Mit Ausnahme von Lettland, das auch im November einen starken Einbruch am Beschäftigungsmarkt zu verkraften hatte, nimmt der Abwärtstrend jedoch auch in diesen Ländern leicht ab. Dennoch: Das Baltikum hat im Jahresvergleich November 2008 zu November 2009 nun doppelt so viele Arbeitslose.

Jung, männlich, ohne Bildung

Der Trend, wonach vor allem junge Männer mit schlechter Bildung unter der Krise zu leiden haben, bleibt weiterhin aufrecht. Diese Entwicklung ist weniger auf gendergerechte Maßnahmen zurückzuführen als vielmehr auf die Tatsache, dass diese Gruppe vor allem im Bau- und Transportwesen sowie in der industriellen Fertigung tätig ist – lauter Branchen, die von der Krise besonders betroffen sind. Wohingegen der von Frauen dominierte Handel mehr Widerstandskraft an den Tag legte.

Restrukturierung geht weiter – mit Verlusten auf beiden Seiten

Obwohl fast alle Länder in der EU wieder ein steigendes Bruttoinlandssozialprodukt aufweisen, bleibt der Arbeitsmarkt angespannt. Das betrifft Arbeitnehmende wie auch Arbeitgebende. Die Kündigung von qualifizierten Arbeitnehmenden bedeutet für die Arbeitgebenden oft auch den Verlust von Fähigkeiten und Fertigkeiten, die in besseren Zeiten nicht wieder so leicht zu ersetzen sind. Viele Firmen versuchen daher, trotz schlechter Auftragslage ihre Mitarbeiterzahl zu halten, indem flexiblere Arbeitszeitmodelle und Kurzarbeit angeboten werden. Wie lange das in dieser Form machbar bleibt, ist jedoch fraglich.

Die durch Restrukturierungen verloren gegangenen Stellen haben zuletzt abgenommen, dennoch wurden seit Beginn der Krise im September 2008 im Schnitt dreimal so viele Jobs abgebaut als neue geschaffen wurden. Von diesem Trend bleibt auch Österreich nicht verschont. Der November brachte hierzulande alleine bei der ÖBB 800 Kündigungen mit sich.

Die Industrie kann nach den heftigen Einbrüchen im September 2008 seit Mai 2009 eine allmählich steigende Auftragslage verbuchen, weniger erfreulich sieht es im Bauwesen aus. Der Handel kann sich mit heftigen Zickzack-Kursen auf niedrigem Niveau behaupten. Der November brachte jedoch auch hier im Non-Food-Bereich einen signifikanten Einbruch.

Die Stimmung steigt

Dennoch steigt die Stimmungslage langsam aber kontinuierlich an. Der Wirtschafts-Stimmungsindikator (Economic Sentiment Indicator, ESI) hält zurzeit bei 92 Punkte. Das ist zwar unterm Langzeit-Durchschnitt aber bedeutend höher als ein Jahr zuvor, als der ESI mit 60,3 Punkten seinen Tiefststand erreichte. Dennoch sollten sich die wirtschaftliche Erholung und die bessere Stimmungslage bald auf die Beschäftigungszahlen auswirken. Die Gefahr einer so genannten "Jobless Recovery" also eines "Beschäftigungsfreien Wachstums" ist gegeben, und es liegt an der Politik, diese bislang nur in den USA bekannte Entwicklung abzuwehren. Eine Jobless Recovery ist nicht dazu geeignet, Wohlstand und Sicherheit auf lange Sicht zu gewährleisten. Gerade das ist aber die Zielsetzung der EU.