Zum Inhalt springen (Alt+0).
Zum Hauptmenü springen (Alt+1).
Zum Submenü springen (Alt+2).
Zur Positionsanzeige (Alt+4).
Griechenland wollte alleine mit seiner Schuldenkrise zurechtkommen. Doch das ist nicht gelungen. Am 23. April 2010 suchte das südeuropäische Land bei der EU um finanzielle Hilfe an. Warum will die EU dem Mittelmeerstaat helfen? Werden die geplanten Zahlungen reichen? Wird Griechenland die Gelder zurückzahlen können?
29.04.2010Bundespressedienst/jur
Griechenland sucht einen Ausweg aus der Schuldenkrise (© European Commission)
Bei Ausbleiben der Hilfszahlungen droht dem Euroland die Staatspleite. Eine drohende Konkurswelle griechischer Banken würde eine neue Bankenkrise mit unabsehbaren Folgen auslösen. Davon wäre auch Österreich betroffen: Laut Medienberichten ist Griechenland mit rund 4,5 Milliarden Euro bei den heimischen Banken verschuldet. Anleger würden befürchten, dass auch anderen europäischen Pleitekandidaten nicht geholfen wird. Ihre Zinsen für Anleihen würden steigen. Die Stabilität der gesamten europäischen Währungsunion wäre gefährdet.
Mit Hilfskrediten an Griechenland hoffen die Euro-Länder, die Finanzmärkte zu beruhigen und die Zinsenlast für Athen wieder tragbar zu machen. Ein Einspringen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU würde bedeuten, dass "man den Kapitalanlegern mehr Sicherheit schafft, ihr Geld nach Europa zu tragen", so der bereits erwähnte Ökonom Hans-Werner Sinn im Interview mit dem "Spiegel".
Am 27. April 2010 stufte die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf BB+ herab. Damit wird das Schuldenmachen für den Mittelmeerstaat noch teurer, da er hohe Zinsen für neue Kredite an den Kapitalmärkten zahlen muss. Ohne finanzielle Hilfe wird es für Griechenland schwer, Kreditgeber zu finden.
Bereits vor Bekanntgabe der Herabstufung hat der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou erklärt, dass der Staat kein Geld mehr auf den internationalen Finanzmärkten aufnehmen könne. Für die in Aussicht gestellten Kredite der Euro-Staaten und des IWF müsste Griechenland bei einer Laufzeit von drei Jahren fünf Prozent Zinsen zahlen. Das ist deutlich niedriger, als auf den internationalen Kapitalmärkten. Will sich Griechenland derzeit Geld borgen, muss es knapp zehn Prozent Zinsen zahlen.
Kritiker der Staatshilfen befürchten jedoch, dass sich bei Hilfszahlungen der EU auch andere Defizitländer der Eurozone darauf verlassen könnten, ihre Schulden von der EU finanziert zu bekommen.
Wie viel Geld Griechenland genau braucht, ist noch offen. Schätzungen zufolge soll das Hilfspaket der Euro-Länder und des IWF bis 2012 um die 130 Milliarden Euro betragen.
Bislang war von 45 Milliarden Euro für 2010 die Rede. 30 Milliarden Euro davon sollten von den Euro-Ländern kommen (entsprechend seinem Anteil an der Europäischen Zentralbank würde Österreich Griechenland im ersten Jahr mit bis zu 858 Millionen Euro unter die Arme greifen), die restlichen 15 Milliarden Euro könnte der IWF beisteuern.
Die EU-Kommission, die Europäischen Zentralbank (EZB) und der IWF erarbeiten derzeit gemeinsam mit Griechenland ein Sanierungsprogramm. Jedenfalls braucht Griechenland bis spätestens 19. Mai 2010 die ersten Gelder. An diesem Tag muss der Staat alte Schulden in Höhe von rund neun Milliarden Euro zurückzahlen.
Manche Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass Griechenland die geplanten Finanzhilfen der Eurozonen-Länder nicht vollständig zurückzahlen wird können. Der deutsche FDP-Finanzsprecher Herman Otto Solms meinte etwa gegenüber dem "Handelsblatt", er gehe davon aus, dass ein Teil der Schulden von der Regierung in Athen nicht bezahlt werden kann. Diese Einschätzung bestätigte auch Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, im Gespräch dem deutschen Sender MDR: "Die Regierung in Athen wird nicht in der Lage sein, den geplanten harten Sparkurs durchzuhalten." Er sei stattdessen davon überzeugt, dass Griechenland einen Schuldenerlass von Deutschland verlangen und dabei Rückendeckung von anderen problematischen Ländern erhalten werde.
Zurück zur Übersicht