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EU-Skepsis steigt bei gleichzeitigem Wunsch nach mehr Zusammenarbeit in Wirtschaftsfragen
30.08.2010Bundespressedienst/swe
Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat in der Einstellung der Europäerinnen und Europäer tiefe Spuren hinterlassen. Drei Viertel der Bürgerinnen und Bürger in den 27 EU-Mitgliedstaaten wünschen sich eine bessere Steuerung der Wirtschaft durch die Europäische Union. Das geht aus der aktuellen, im Mai 2010 durchgeführten Eurobarometer-Umfrage hervor. In Österreich, wo zwischen 5. und 24. Mai (am Höhepunkt der Griechenland-Krise) insgesamt 1.000 Personen befragt wurden, ist die Forderung nach einer stärkeren wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit im Vergleich zu 2009 relativ stark gestiegen. Waren es im Vorjahr 68 Prozent, so befürworten nun 74 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher eine stärkere Rolle der EU in Wirtschaftsfragen – ein Plus von sechs Prozent.
EU-weit sind 26 Prozent der insgesamt fast 27.000 Befragten der Ansicht, dass die EU (und nicht etwa die USA oder die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer [G20]) am wirkungsvollsten gegen die Krise vorgehen kann. Viviane Reding, Vize-Präsidentin der Europäischen Kommission, sieht darin eine Bestätigung dafür, dass "der EU eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der Krise beigemessen wird".
Wirtschaft, die Gemeinschaftswährung und der Arbeitsmarkt – das sind die dominierenden Themen für die EU-Bevölkerung (© Eurobarometer-Website)
Wirtschaft ist generell das Hauptthema der EU-Bürgerinnen und Bürger, wobei die soziale Dimension nicht zu kurz kommen darf: Befragt nach den "wichtigsten Herausforderungen", mit denen die Mitgliedsländer derzeit konfrontiert sind, nennen 48 Prozent der EU-Bevölkerung die Arbeitslosigkeit. 40 Prozent sorgen sich um die aktuelle Wirtschaftslage und 20 Prozent sehen in gestiegenen Preisen und Inflation eine zentrale Herausforderung. Die Bevölkerung steht jedenfalls eindeutig hinter der neuen EU-Wirtschaftsstrategie "Europa 2020": 92 Prozent der Befragten finden, dass eine Modernisierung der Arbeitsmärkte notwendig sei, um die Beschäftigungsquote zu heben. Ebenfalls 92 Prozent unterstützen die Idee eines sozialeren Europa. Und neun von zehn EU-Bürgerinnen und Bürgern wollen eine ökologischere Wirtschaft, die weniger Rohstoffe verbraucht und den Ausstoß von Treibhausgasen reduziert.
Einen Wermutstropfen beinhaltet die Eurobarometer-Befragung dennoch, ist doch die Einschätzung der EU als "gute Sache" (49 Prozent der EU-Bevölkerung) im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent gesunken. Gerade in Österreich ist die negative Einschätzung der EU besonders ausgeprägt: Nur für 36 Prozent ist die EU-Mitgliedschaft eine "gute Sache", für 23 Prozent eine "schlechte Sache". 40 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher finden, dass die Mitgliedschaft in der EU "weder gut noch schlecht" sei. Während im EU-Schnitt die Mehrheit der Bevölkerung Vorteile durch die Mitgliedschaft in der EU sieht, finden 48 Prozent der Österreicher, dass Österreich nicht von der EU profitiert habe. Und auf die Frage, was die EU für die Österreicherinnen und Österreicher persönlich bedeutet, nennen 62 Prozent zwar die Gemeinschaftswährung Euro, doch für 52 Prozent bedeutet die EU "Geldverschwendung". Jeder zweite Befragte in Österreich verbindet die Europäische Union mit "mehr Kriminalität".
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