SEPA: Der gemeinsame Euro-Zahlungsverkehrsraum kommt

Grenzüberschreitende Bankzahlungen für EU-Bürgerinnen und Bürger sollen schneller, billiger und sicherer werden. Möglich macht das die Verordnung zum SEPA, dem "Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum", die mehr als 15 Jahre nach Einführung des Euro ab 2014 in Kraft tritt.

23.02.2012/nk

Abbildung einer Zahlungsanweisung, wie sie ab dem Jahr 2014 gültig sein wird

Die europaweit einheitlichen Kontonummern kommen. (© Oenb)

Am 14. Februar 2012 hat das Europäische Parlament einer Umstellung auf den SEPA (Single Euro Payments Area) mit großer Mehrheit zugestimmt. Damit wurde der Weg frei gemacht für eine Vereinheitlichung und Vereinfachung von Überweisungen und Lastschriftzahlungen. Alle Kreditinstitute tauschen künftig ihre Informationen mit dem gemeinschaftlichen SEPA-Datenformat aus.

Ab 1. Februar 2014 müssen Bankkundinnen und Bankkunden europaweit einheitliche Kontonummern verwenden. Es wird jedoch eine zweijährige Übergangsfrist geben, in der bei Überweisungen im Inland die Kontonummern und Bankleitzahlen wie gewohnt eingegeben werden können. Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben damit genug Zeit, sich von der vertrauten Vorgehensweise zu verabschieden. In der Übergangsphase sorgen die Banken dafür, dass die Transfers bzw. Überweisungen bereits mit IBAN (International Bank Account Number) und BIC (Bank Identifier Code) - den internationalen Versionen von Kontonummer und Bankleitzahl – in das europäische System übertragen werden.

Einst ist gar von "IBAN, der Schrecklichen" die Rede gewesen, da die einheitlichen Kontonummern in der EU bis zu 22 Stellen haben können. Doch ganz so schlimm ist der lange Zahlencode bei genauerer Betrachtung nicht: Die IBAN ist lediglich eine Kombination aus der bisherigen Kontonummer und der Bankleitzahl, ergänzt um den Ländercode (z.B. AT für Österreich) und eine zweistellige Prüfnummer. In Österreich hat der IBAN-Code 20 Stellen und wird künftig verpflichtend die einzelnen Angaben von Kontonummer und Bankleitzahl ablösen.

Derzeit werden diese internationalen Standards nur bei Transfers auf ausländische Konten angewandt. Ab Frühjahr 2016 müssen Bankkundinnen und Bankkunden den IBAN-Code dann auch bei Inlandsüberweisungen angeben. Der elfstellige BIC wird dagegen bei Überweisungen innerhalb Österreichs schon ab Februar 2014 nicht mehr nötig sein. Bei grenzüberschreitenden Zahlungen entfällt er zwei Jahre später.

Schneller und billiger

Die IBAN ist eine Kombination aus der bisherigen Kontonummer, Bankleitzahl, dem Ländercode und eine zweistellige Prüfnummer.

IBAN: Aufgrund ihrer Zahlenlänge anfangs gefürchtet. (© Oenb)

Künftig hat bei einer Überweisung nicht mehr der Name des Empfängers Priorität, sondern die Nummer. Fehlüberweisungen können dadurch besser verhindert werden und sorgen so für mehr Sicherheit für die Konsumentinnen und Konsumenten. Außerdem werden Überweisungen über EU-Grenzen hinweg schneller und billiger. Der Wegfall der Überweisungsgebühren soll laut EU-Kommission Einsparungen in zweistelliger Milliardenhöhe bringen. Fachleute vermuten, dass der größere Wettbewerb Banken und Sparkassen dazu veranlassen wird, ihre Gebühren für Überweisungen und Lastschriften drastisch zu senken oder sogar gänzlich abzuschaffen. Schon heute sind grenzüberschreitende SEPA-Überweisungen, die jede und jeder selbst per Internet abwickeln kann, bei vielen Geldinstituten kostenlos.

Die Vereinheitlichung wird es Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie Unternehmen ermöglichen, ihren gesamten Euro-Zahlungsverkehr über ein Konto bei einer beliebigen Bank in der EU abzuwickeln. Damit soll auch das grenzüberschreitende bargeldlose Bezahlen so einfach wie im Inland werden.

Das Bezahlen mit Karte durch Unterschrift und anschließende Abbuchung per Lastschrift sollte ursprünglich abgeschafft werden. Nun wird es als europäisches Verfahren anerkannt. Zudem müssen bereits bestehende Einzugsermächtigungen aufgrund der Umstellung nicht neu erteilt werden. Solche Zahlungsaufträge (z.B. die monatliche anfallende Miete oder die Kosten für das Internet zuhause) werden einfach ins neue System übernommen.

Insgesamt sind 32 Länder am "Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum" beteiligt: Die 27 EU-Mitglieder sowie Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und die Schweiz.

Angesichts der aktuellen politischen Ereignisse in der Europäischen Union bezeichnete die zuständige Berichterstatterin im EU-Parlament, Sari Essayah, diese Einigung als "eine der wenigen guten Nachrichten derzeit in Europa". Diese würde mehr Rechtssicherheit und Klarheit für die Verbraucherinnen und Verbraucher bringen und wird als weiterer Meilenstein für den einheitlichen europäischen Binnenmarkt gesehen.

Stichwort SEPA

SEPA (Single Euro Payments Area) bezeichnet einen einheitlichen Zahlungsraum für Transaktionen in Euro. Die Unterscheidung zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen fällt damit weg. Seit Anfang 2008 bieten Banken ihren Kunden SEPA-Überweisungen an, seit 2009 auch SEPA-Lastschriften. Ab 1. Februar 2014 wird die internationale Kontonummer IBAN Pflicht.

Schon heute dürfen Euro-Überweisungen ins Ausland nicht mehr kosten als Inlandstransfers. Zudem sollen Verbraucherinnen und Verbraucher dank SEPA künftig ihre Karten an mehr Kassen und Bankomaten nutzen können. SEPA umfasst 32 europäische Länder.

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