EU-Kommission will Glyphosat weiter zulassen

Geht es nach der EU-Kommission, soll Glyphosat für weitere 10 Jahre zugelassen werden.

Flugzeug mit Sprühbalken über einem Acker

01.08.2017/TMI

Kurz gefasst:

Da die Zulassung des umstrittenen Pflanzengifts Glyphosat mit Ende des Jahres 2017 ausläuft, möchte die EU-Kommission diese so schnell wie möglich auf weitere 10 Jahre verlängern. Das Herbizid gilt bei Expertinnen und Experten als wahrscheinlich krebserregend und ist deshalb sehr umstritten. Bis jetzt konnten sich jedoch die Landwirtschaftsministerinnen und -minister der EU-Staaten auf keine Verlängerung einigen. Eine Entscheidung wird im Herbst erwartet.

Anfang Juli 2017 ließ die EU-Kommission mit dem Vorschlag aufhorchen, den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat für weitere 10 Jahre zulassen zu wollen. Denn bis Jahresende läuft die EU-Genehmigung für das derzeit in Europa sehr häufig verwendete Herbizid aus.

Für Kritikerinnen und Kritiker ist dieses Vorhaben unverständlich, da Glyphosat im Verdacht steht krebserregend zu sein. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kategorisiert das Herbizid als "wahrscheinlich krebserregend".
Die europäische Chemikalienagentur ("Echa") gab im März 2017 ein Gutachten zu Glyphosat heraus. Kurzzusammenfassung: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse erfüllten nicht alle Kriterien, um das Herbizid als krebserregend zu kategorisieren. Und dennoch: Die Substanz sei auch laut "Echa" giftig für Organismen im Wasser und könne ernsthaft die Augen schädigen.

Daraufhin empfahl die EU-Kommission den Mitgliedstaaten, Glyphosat nicht mehr in der Nähe von frequentierten Orten, wie öffentliche Parks oder Spielplätzen, zu nutzen. Die Kommission blieb aber dabei, die generelle Verwendung verlängern zu wollen.

EU-Mitgliedstaaten über Herbizid uneinig

Vytenis Andriukaitis

EU Kommissar Vytenis Andriukaitis (© Europäische Kommission - Fotodatenbank P-031789/00-06)

Der zuständige EU Kommissar Vytenis Andriukaitis betonte Anfang Juli 2017 im Rat der Landwirtschaftsminister und -ministerinnen, dass die Kommission die Verlängerung zwar vorschlagen, aber nicht ohne die Unterstützung einer qualifizierten Mehrheit der Mitgliedstaaten beschließen werde.

Doch die EU-Mitgliedstaaten sind sich selbst uneinig, ob sie dem Vorschlag der EU-Kommission zustimmen sollen oder das Unkrautvernichtungsmittel auf europäischen Äckern verbieten wollen. Vor einem Jahr war Glyphosat noch von der EU-Kommission für eine Übergangsfrist von 18 weiteren Monaten verlängert worden. Mit 31. Dezember 2017 läuft diese Frist jedoch endgültig aus und braucht einen Beschluss der Mitgliedstaaten.

Österreich hat sich gemeinsam mit sieben weiteren EU-Mitgliedstaaten bei der letzten Abstimmung enthalten, während Frankreich und Malta dagegen gestimmt haben. Eine finale Entscheidung wird erst im Herbst 2017 – nach den Wahlen in Deutschland und Österreich – erwartet.

In Österreich fordert besonders Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner: "Die Gesundheit der Menschen geht vor". Auch wenn sich Expertinnen und Experten noch immer nicht einig über die genauen Folgen von Glyphosat für den menschlichen Organismus sind, sei es dennoch nötig, sich deutlich für die Gesundheit zu positionieren. Zudem wies die Bundesministerin auf die Europäische Bürgerinitiative mit dem Namen "Ban Glyphosate" hin, die bereits von mehr als einer Million Menschen unterschrieben worden ist.

Glyphosat-Skandal in den USA

Unterdessen veröffentlichte die "New York Times" ein Gutachten, nach dem in Speiseeis-Proben von "Ben & Jerry's" Spuren von Glyphosat gefunden worden seien. 10 von 11 Proben seien am amerikanischen Markt mit dem Pflanzengift kontaminiert. Auch wenn die gefundene Menge weit unter der Gefährdungsgrenze für den Menschen ist – die Studie zeigt durchaus die Gefahren des Herbizids auf.

Das in Europa verkaufte Eis der Marke "Ben & Jerry's" wird übrigens in den Niederlanden hergestellt und kann deshalb bedenkenlos verzehrt werden. Die Testergebnisse beziehen sich nur auf die in den USA erzeugten Produkte.

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