EMA: Wiens Kampf um EU-Arzneimittelagentur

Am 1. August 2017 endete die Frist für Bewerbungen um den neuen Standort der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA)

Europäisches Parlament

9.8.2017/RKL

Kurz gefasst

Insgesamt 23 Kandidaten gibt es für die nach dem EU-Austritt Großbritanniens umzusiedelnde Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und Europäische Bankenaufsicht (EBA), einer davon ist die österreichische Bundeshauptstadt. Am 1. August 2017 war Bewerbungsschluss.

Die zwei derzeitig in London ansässigen EU-Agenturen – die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und die Europäische Bankenaufsicht (EBA) – sollen nach dem "Brexit" in ein verbleibendes EU-Land umgesiedelt werden. 30 Seiten umfasst die Bewerbung Österreichs, mit der sich Wien als neuer Standort behaupten will.

Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner möchte sich persönlich in Brüssel bei den Vertreterinnen und Vertretern der EU-Kommission und der Mitgliedstaaten einsetzen. Dass Österreich im Wettbewerb insbesondere um den neuen EMA-Hauptsitz sehr engagiert ist, zeigt auch die im Vergleich zu anderen Mitbewerbern hohe Anzahl ihrer diesbezüglichen Besuche bei EMA-Vertreterinnen und -Vertretern in London. Der heimische Arbeitsmarkt und die heimische Wirtschaft würden jedenfalls von einer EMA-Ansiedelung profitieren. Nicht zuletzt schaffe sie direkt und indirekt rund 2 000 Jobs und würde das österreichische Bruttoinlandsprodukt innerhalb von 5 Jahren um 1 Milliarde Euro steigern, wie aus einer Analyse des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag des österreichischen Finanzministeriums hervorgeht.

Doch was sind Wiens Vorteile?

Pamela Rendi-Wagner und Christian Kern

Pamela Rendi-Wagner und Christian Kern (© BKA/Andreas Wenzel)

Die Bundesregierung ist von den Qualitäten der österreichischen Bundeshauptstadt überzeugt. Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner erklärte: "Wien bietet hohe Lebensqualität für EMA-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat daher beste Chancen für den EMA-Hauptsitz". Bundeskanzler Christian Kern ergänzte: "Mit einer exzellenten Infrastruktur, einer ausgezeichnete Drehscheibenfunktion in Europa und einer starken Life-Science und Pharmaindustrie sind wir für die EMA bestens geeignet".

Beworben haben sich – neben der österreichischen Bundeshauptstadt – noch Amsterdam, Athen, Barcelona, Bonn, Bratislava, Brüssel, Bukarest, Kopenhagen, Dublin, Helsinki, Lille, Mailand, Porto, Sofia, Stockholm, Valletta, Warschau und Zagreb.

Verfahrensbeschreibung zur Verlegung der EU-Agenturen

Entscheidungsverfahren zur Verlegung von EBA und EMA (© Europäischer Rat)

Ausführliche Bildbeschreibung

Die Suche nach der passenden Immobilie

Mindestens 26 500 Quadratmeter groß muss das neue EMA-Hauptquartier sein – das ist die Vorgabe der EU-Kommission. In Wien kämen dafür vor allem drei Immobilien in die nähere Auswahl: Der "Austria Campus" der Signa Holding beim Praterstern, das Projekt "Vie" der CA Immo an der Erdberger Lände sowie das Holz-Hochhaus "HoHo" samt dem direkt daneben geplanten Seeparkcampus Ost in der Seestadt Aspern, ein Projekt der Kerbler Holding. Fällt die endgültige Entscheidung im Herbst auf Wien, wird das neue EMA-Gebäude von der Bundesregierung angemietet und der Organisation für 25 Jahre zum symbolischen Wert von 1 Euro pro Jahr überlassen.

Damit zählt Wien europaweit zu den günstigsten Wettbewerbern um den EMA-Standort.

Wien auch möglicher EBA Standort

Neben der Bewerbung um die Europäische Arzneimittelagentur, die von österreichischer Seite viel intensiver betrieben wird, ist Wien auch Kandidat für den künftigen Hauptsitz der ebenfalls noch in London ansässigen Europäischen Bankenaufsicht (EBA).

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