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30 Jahre Erasmus und der Babyboom

Eines der erfolgreichsten EU-Projekte feiert Geburtstag: das Erasmus-Programm

Gruppe von jungen Menschen

2.2.2017/SWE

Kurz gefasst

Erasmus ist 30! Seit seiner Gründung 1987 waren 9 Millionen Europäerinnen und Europäer an Universitäten im europäischen Ausland. Das EU-Förderprogramm war ursprünglich für Hochschulen gedacht. Nach und nach wuchs es um weitere Bereiche wie Freiwilligenarbeit, Berufsbildung und Sport. Diese Veränderung zeigt sich auch im Namen: Aus Erasmus wurde Erasmus+.

 Eines der erfolgreichsten EU-Projekte und das weltweit größte Austauschprogramm für Studierende an Hochschulen feiert 2017 seinen 30. Geburtstag. Erasmus startete 1987 mit 3 244 Hochschul-Studierenden aus 11 Ländern: Belgien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Frankreich, Irland, Italien, Niederlande, Portugal, Spanien, Vereinigtes Königreich. Mittlerweile zieht es Jahr für Jahr rund 680 000 Europäerinnen und Europäer für mindestens 3 und maximal 12 Monate ins Ausland. Jede Teilnahme steht für eine einzigartige "europäische" Erfahrung. Insgesamt 9 Millionen Menschen werden von 1987 bis Ende 2017 mit Erasmus unterwegs gewesen sein, so die Europäische Kommission. Zu ihnen zählen beispielsweise Jyrki Katainen, Vizepräsident der EU-Kommission, Finne und ehemaliger Erasmus-Studierender an der Universität Leicester (Vereinigtes Königreich) und Federica Mogherini, Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Italienerin und ehemalige Erasmus-Studierende an der Universität von Aix-en-Provence (Frankreich).

Video auf der Seite der EU-Kommission ansehen.

Was bringt das EU-Programm konkret?

Grafik Von Erasmus zu Erasmus +
  • Erasmus macht den Aufenthalt an Unis im europäischen Ausland einfacher: Erasmus-Studierende erhalten ein Stipendium (2015 belief sich das im Schnitt 281 Euro pro Monat; sozial benachteiligte Studierende erhalten etwa 200 Euro pro Monat zusätzlich). Sie zahlen an den Unis im Ausland keine Studiengebühren und können sich die absolvierten Lehrveranstaltungen an ihrer "Heimatuni" anrechnen lassen.
  • Erasmus verbessert die Sprachkenntnisse, bringt Einblick in anderen Kulturen und Länder und schafft Vorteile am Arbeitsmarkt. 2014 waren 80 Prozent der Erasmus-Teilnehmenden überzeugt, dass Erasmus ihre beruflichen Chancen verbessert hat. Ein Drittel der Erasmus-Studierenden, die Praktika im Ausland absolvierten, erhielt vom Unternehmen anschließend ein Jobangebot. 5 Jahre nach Studienende ist die Arbeitslosenquote unter Erasmus-Studierenden um 23 Prozent niedriger als unter Nicht-Erasmus-Studierenden.
  • Mindestens drei Viertel der befragten ehemaligen Erasmus-Studierenden bekleideten 10 Jahre nach ihrem Studienabschluss Positionen mit Führungsaufgaben. Bei ehemaligen Erasmus-Studierenden liegt die Wahrscheinlichkeit um 44 Prozent höher, eine Managementposition zu erreichen.
  • Erasmus-Studierende sind privat internationaler: Sie wählen 3 Mal häufiger eine ausländische Lebenspartnerin, einen ausländischen Lebenspartner als ihre Kolleginnen und Kollegen, die kein Auslandjahr absolviert haben. Fast 30 Prozent der Austauschstudierenden haben ihre Lebenspartnerin, ihren Lebenspartner während ihres Erasmus-Jahres kennengelernt. Unbestätigten Schätzungen zufolge soll es in Europa über 1 Million "Erasmus-Babys" geben.

Mehrheitlich Frauen – Spanien beliebtestes Zielland

2015 nahmen an allen Programmschienen von Erasmus+ insgesamt 680 000 Personen teil. Typische Erasmus-Studierende sind weiblich (61 Prozent Frauen, 39 Prozent Männer) und im Schnitt 24,5 Jahre alt. Sie gehen durchschnittlich für 5,3 Monate ins Ausland. Die meisten Erasmus-Teilnehmenden stammen aus Frankreich, Deutschland und Spanien. 2015 waren Spanien, Deutschland und Großbritannien die beliebtesten Zielländer.

Österreich ist seit 1992 Erasmus-Programmland. 2016 nahmen 13 282 Österreicherinnen und Österreicher an Erasmus-Austauschprogrammen teil. Mit 7 966 Teilnehmenden entfällt der größte Teil auf Hochschulen, gefolgt von der Berufsbildung (3 721 Teilnehmende) sowie Schülerinnen und Schüler (1 496 Teilnehmende). Zu den Lieblingsländern der Österreicherinnen und Österreicher gehören Spanien, Frankreich, Schweden, Italien und Großbritannien. Insgesamt werden seit 1992 etwa 243 000 Österreicherinnen und Österreicher mit Hilfe von Erasmus einen Auslandsaufenthalt absolviert haben, so die Prognosen bis Ende 2017.

In Österreich berät und und informiert der Österreichischen Austauschdienst (OeAD) über Erasmus. Er koordiniert als sogenannte Nationalagentur den Bildungsteil von Erasmus+.

Hintergrund: Von "Erasmus" zu "Erasmus+"

  • Bei seiner Gründung 1987 beschränkte sich Erasmus auf Studierende an Hochschulen. Vor 2 Jahren wurden die EU-Programme um Lebenslanges Lernen, Ausbildung, Freiwilligentätigkeit, Jugend und Sport sowie Kooperationsprogramme im (Hoch-)Schulbereich ausgeweitet und unter dem Namen "Erasmus+" zusammengeführt. Somit profitieren nicht mehr nur junge Menschen wie Lehrlinge, Studierende sowie Schülerinnen und Schüler von den länderübergreifenden Bildungsangeboten und Austauschprogrammen, sondern Europäerinnen und Europäer in allen Lebensphasen.
  • Seit 1987 waren mit Erasmus insgesamt 9 Millionen Menschen im europäischen Ausland. Nach anfangs 11 Ländern nehmen nun 33 Staaten am Erasmus-Programm teil: neben den 28 EU-Staaten auch die Nicht-EU-Länder Norwegen, Liechtenstein, Türkei, Mazedonien und Island.
  • Das Programm der aktuellen Finanzperiode (von 2014 bis 2020) soll 4 Millionen Studierende, Schülerinnen und Schüler, Praktikantinnen und Praktikanten sowie Hochschulangehörige und sonstige Interessierte ins europäische Ausland bringen. Das Budget für die Jahre 2014 bis 2020 liegt bei knapp 15 Milliarden Euro (40 Prozent mehr als in der vorherigen Finanzperiode von 2007 bis 2013).
  • Aktuell liegen die Schwerpunkte von Erasmus+ bei der Verbesserung von Jobperspektiven, der Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit und der Beteiligung von sozial benachteiligten Jugendlichen (etwa im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes (EFD)). Erasmus+ finanziert Maßnahmen zur Bekämpfung von Radikalisierung und fördert mittlerweile Aufenthalte außerhalb Europas. Eigene Online-Sprachkurse bereiten die Teilnehmenden auf ihren Auslandsaufenthalt vor.
  • Der Name Erasmus geht auf den niederländischen Gelehrten Erasmus von Rotterdam zurück. Gleichzeitig stehen die Buchstaben "Erasmus" auch für "European Region Action Scheme for the Mobility of University Students", die offizielle englische Bezeichnung des Programms.
Erasmus+ - 30 Jahre kontinuierliche Entwicklung: 9 Millionen Menschen (4 400 000 Hochschulstudierende, 1 800 000 Lehrkräfte und Jugendbetreuerinnen und Jugendbetreuer, 1 300 000 Jugendaustausch, 1 300 000 Auszubildende (Lehrlinge), 100 000 Europäische Freiwillige, 100000 Erasmus-Mundus-Studierende und -Angestellte)
Erasmus+ - 30 Jahre kontinuierliche Entwicklung: 9 Millionen Menschen (4 400 000 Hochschulstudierende, 1 800 000 Lehrkräfte und Jugendbetreuerinnen und Jugendbetreuer, 1 300 000 Jugendaustausch, 1 300 000 Auszubildende (Lehrlinge), 100 000 Europäische Freiwillige, 100000 Erasmus-Mundus-Studierende und -Angestellte) (© Europäische Kommission 2017)

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