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6 Milliarden Euro für die Meere

Konferenz "Unser Ozean" beschließt Maßnahmenpaket zur Rettung der Weltmeere.

13.10.2017/NTU

Kurz gefasst

Bei der internationalen Konferenz "Unser Ozean" verpflichteten sich Institutionen aus über 100 Ländern und von 6 Kontinenten zu Investitionen von insgesamt 6 Milliarden Euro. Die Europäische Union vereinbarte globale Maßnahmen für eine nachhaltige Nutzung der Weltmeere und sicherte die Bereitstellung von 550 Millionen Euro für EU-Initiativen zu.

Der kleine Mittelmeerstaat Malta war 5. und 6. Oktober 2017 Gastgeber der Konferenz "Unser Ozean". Die EU, globale Institutionen, Privatunternehmen, Forschungseinrichtungen und Non-Profit-Organisationen diskutierten gezielte Maßnahmen für einen verantwortungsbewussteren Umgang mit den Weltmeeren. Die Konferenz, die bereits zum 4. Mal stattfand, wurde heuer erstmals von der Europäischen Union ausgerichtet.

Plakat Our Ocean

Die EU und die beteiligten Institutionen beschlossen bei der Konferenz Maßnahmen zu 6 Themenbereichen, die für die Zukunft der Weltmeere wichtig sind. Insgesamt verpflichteten sich Stakeholder aus dem privaten und öffentlichen Sektor zu Investitionen von 6 Milliarden Euro für eine Reihe konkreter Projekte. Davon sicherte alleine die Europäische Kommission 550 Millionen Euro für weltweite EU-Initiativen zu.

EU übernimmt Vorreiterrolle bei Maßnahmen

Beim Thema maritime Sicherheit geht es um die Bekämpfung von Bedrohungen auf See (Piraterie) und an den Küsten (Zerstörung durch Naturkatastrophen). Für die Förderung von Initiativen, die zum Beispiel Seeräubern alternative Möglichkeiten der Existenzsicherung bieten und Geldwäsche bekämpfen, hat die Kommission 37,5 Millionen Euro bereitgestellt. Moderne Satellitenüberwachungsprogramme (4 Millionen Euro für das EU-Projekt Copernicus) und die Modernisierung der Seebehörden der EU (1 Millionen Euro), sollen unter anderem die bessere Kontrolle der Umweltverschmutzung und der illegalen Fischerei ermöglichen.

Durch die Bekämpfung der Meeresverschmutzung will die Konferenz die weitere Zerstörung der Meeresumwelt bremsen. Hier unterstützt die EU Informationskampagnen, Präventionsmaßnahmen und die EU-weite Umsetzung einer Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie. Ziel der Rahmenrichtlinie ist es, bis 2020 einen guten Umweltzustand der Gewässer der EU-Mitgliedstaaten zu erreichen.

Fischerboot © European Communities

Unter dem Thema blaue Wirtschaft fordert die Kommission stärkere Synergien zwischen nachhaltigen Lösungen für Meere sowie Wirtschaftswachstum. Sie will zukunftsorientierte Forschungsprojekte finanzieren (250 Millionen Euro) und globale Partnerschaftsprogramme, wie das transatlantische Bündnis zur Erforschung des Atlantiks, weiter festigen. 

Auch die Folgen des Klimawandels, wie steigende Meeresspiegel und Versauerung, und der Meeresschutz waren Themen der Konferenz. Konkrete Maßnahmen betreffen den Kampf gegen Einweg-Kunststoffartikel (zum Beispiel Einweg-Plastikbecher in allen Gebäuden der Kommission in Brüssel bis Ende 2017 abschaffen), 1,5 Millionen Euro für die Senkung der Rußemissionen in der Arktis und Fangbeschränkungen im Adriatischen Meer, um den Erhalt von Grundfischarten zu gewährleisten.

Nachhaltige Fischerei ist entscheidend dafür, dass es auch für zukünftige Generationen ausreichend Fischereiprodukte gibt. Hier hat die EU zum Beispiel die Bereitstellung von 5,7 Millionen Euro zur Verbesserung der Nachhaltigkeit der Fischerei-Ressourcen im Mittelmeer beschlossen.

Frans Timmermans, Erster Vizepräsident der Europäischen Kommission, meinte im Anschluss an die Konferenz: "Die Europäische Kommission hat mit konkreten Verpflichtungen ihr starkes Engagement für Nachhaltigkeit, Sicherheit und Reichtum unserer Ozeane unter Beweis gestellt."

Weltmeere sind ein wertvoller Schatz

Kind am Strand © European Union

Meere bedecken mehr als 70 Prozent unseres Planeten und sind ein wichtiger Teil unseres Ökosystems. Sie sind die Existenzgrundlage für weltweit 3 Milliarden Menschen. Die Ozeane sind aber zunehmend einer Vielzahl von Bedrohungen, wie Verschmutzung und Überfischung, ausgesetzt.

Jedes Jahr gelangen über 10 Millionen Tonnen Müll ins Meer. Das sind 27 400 Tonnen pro Tag. Ein ausgewachsener Blauwal – das größte Säugetier der Erde – wiegt bis zu 200 Tonnen. Die Menge an Müll, die jeden Tag in die Meere gespült wird, entspricht also ungefähr dem Gewicht von 136 Blauwalen. Wenn nichts unternommen wird, könnte es bis zum Jahr 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik geben als Fische. 

Müll in der Arktis © European Communities

Die bei der Konferenz zugesagten Mittel sollen dazu verwendet werden, im Einklang mit den Zielen des Pariser Abkommens und der Agenda 2030, weltweit eine bessere Meerespolitik umzusetzen. Dadurch will die EU auch ihre Vorbildwirkung bei der nachhaltigen Nutzung der Ozeane stärken.

Die Hohe Vertreterin und Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Federica Mogherini, betonte: "Das Meer ist ein globales Allgemeingut. Wir alle sind dafür verantwortlich, ein Allgemeingut zu erhalten – es wie einen Schatz zu hegen."

Hintergrundinformationen zur globalen Nachhaltigkeitsstrategie:

Bei einem hochrangigen Gipfeltreffen der Vereinten Nationen (UN) vom 25. bis 27. September 2015 wurde die "Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung" beschlossen. Bei den Verhandlungen übernahm die EU eine führende Rolle. Alle 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen verpflichteten sich, auf die Umsetzung der Agenda 2030 mit ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene bis zum Jahr 2030 hinzuarbeiten.

In Österreich wurden alle Bundesministerien mit dem Ministerratsbeschluss vom 12. Jänner 2016 zur kohärenten Umsetzung der "Agenda 2030" beauftragt.

  • Ziel 13 der Agenda lautet: Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen
  • Ziel 14: Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen.

Ein weiterer Schritt zum globalen Umweltschutz lieferte das Pariser Abkommen. Das Hauptziel dieses Abkommens, das am 12. Dezember 2015 auf der UN-Klimakonferenz in Paris verabschiedet wurde, ist, die Emission von Klimagasen bis 2050 netto auf 0 zu senken und den Anstieg der Erdtemperatur auf möglichst 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

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