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Christian Kirchsteiger: "Der Schlüssel für eine europäische Karriere? Neugier auf die Welt"

Der Physiker aus Oberösterreich arbeitet nach internationalen Karriere-Stationen nun für die Europäische Kommission im Bereich Nuklearsicherheit

Christian Kirchsteiger
spricht an der Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften. (© Kungliga Vetenskapsakademien )

Stichworte zum Lebenslauf:

  • Aus Oberösterreich
  • Studium der Technischen Physik an der TU Wien, Doktorat
  • Aktuell (seit 2014): Europäische Kommission, Generaldirektion Energie, in Luxemburg – Senior Policy Officer, zuständig für neue Initiativen im Bereich "nuclear non-proliferation and nuclear security"
  • Start der Berufslaufbahn 1991 im österreichischen Bundeskanzleramt (nuclear safeguards, export control)
  • 1991 - 1992 in Japan: Japan Atomic Energy Research Institute, Tokai-mura (Wissenschafter)
  • 1993 - 1996: Wissenschaftliche Tätigkeit bei Siemens KWU in Erlangen/Berlin
  • 1996 - 2002: Research Officer bei der Europäischen Kommission, Generaldirektion Joint Research Center in Petten, Niederlande
  • 2002 - 2007 Leiter einer Forschungsgruppe zu Energiesicherheit, Petten, Niederlande
  • 2007 - 2011: Europäische Kommission, Generaldirektion Energie in Luxemburg, Policy Officer für Nuklearökonomie und langfristige Energieplanung
  • 2011 - 2014: Task Force Manager bei der Europäischen Kommission, Generaldirektion Energie, in Luxemburg für Stress Tests in Europa, der Ukraine, Armenien und Taiwan sowie nukleare Sicherheitsgesetzgebung der EU nach Fukushima

Persönliche Interessen:

Literatur, Malen/Grafik, Reisen

Große geistige Öffnung für Österreich durch EU-Beitritt

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das sicherlich das zweitwichtigste Ereignis für Österreich nach der Öffnung der Ostgrenzen im Jahr 1989. Durch den EU-Beitritt 1995 ist es zu einer großen geistigen Öffnung des Landes gekommen. Eine der größten Herausforderungen heutzutage ist die Schaffung einer paneuropäischen Identität unter Beibehaltung der nationalen Wurzeln. Die "ideale" EU hat meiner Ansicht nach in 10 Jahren ihre Grenzen definiert, sowohl gegenüber anderen Staaten wie auch gegenüber den Mitgliedstaaten (Stichwort Subsidiarität).

Karriere durch "eine Menge Zufälle"

Das Besondere an einer EU-Karriere ist die Möglichkeit, grundsätzlich in sehr vielen Gebieten Erfahrungen sammeln und Beiträge liefern zu können. Ich kam in diesen Fachbereich über eine Menge Zufälle, die im Rückblick erst ein kohärentes Bild ergeben. Schlüssel für eine "europäische" Karriere ist Neugier auf die Welt. Und hoffentlich nicht zu viel Opportunismus. Wahrscheinlich würde ich mich wieder für diese Karriere entscheiden oder im Forschungsbereich bleiben. Das hängt letztlich von Zufällen ab.

Ich hatte, obwohl Österreicher aus Überzeugung, nie Probleme mit dem Leben im Ausland, da Österreich für mich großteils ein geistiger Begriff ist.

Der Arbeitsalltag, eine Mischung aus Routine und Kreativität

Mein Tagesablauf besteht zum einen aus Standardtätigkeiten: Trends verfolgen, Informationen für das Management aufbereiten. Zum anderen aber geht es um eigene kreative Tätigkeiten: Vorschläge für neue politische Maßnahmen entwerfen, mit Interessengruppen abstimmen, Konsens finden – also Neues mit echtem Mehrwert zu entwickeln versuchen.

Die EU-Institutionen müssen sich ändern
Ich erlebe die EU-Skepsis vieler Bürgerinnen und Bürger vor allem als Skepsis gegenüber der Arbeitsintensität eines EU-Beamten. Um den Österreicherinnen und Österreichern die EU näher zu bringen, geht es meiner Meinung nach nicht nur um andauernde Infokampagnen. Auch die EU-Institutionen müssen sich ändern, etwa klare Regeln zur Subsidiarität setzen.

Der Arbeitsplatz von Christian Kirchsteiger

Die Generaldirektion Energie in der EU-Kommission beschäftigt sich mit der Entwicklung und Umsetzung der europäischen Energiepolitik. Ziel ist es, eine sichere, nachhaltige und wettbewerbsfähige Struktur zu schaffen. Ein Teil der Generaldirektion hat ihren Sitz in Brüssel, Belgien, ein Teil in Luxemburg.

Mehr als ein Viertel des in der EU erzeugten Stroms entfallen aktuell auf die Kernenergie. Die Kraftwerksbetreiber sind für die Sicherheit ihrer Anlagen zuständig. Christian Kirchsteiger ist im Bereich der nuklearen Sicherheit tätig. In diesem Gebiet nimmt Europa weltweit eine Führungsposition ein. Dazu tragen die Erkenntnisse aus dem Nuklearunfall von Fukushima in Japan und auch die EU-Stresstests in kerntechnischen Anlagen bei.

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