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Das Pommes frites-Verbot – Und was wirklich dahinter steckt

Verbietet uns die Europäische Union Pommes frites?

Pommes Frites

25.07.2017/SWE

Kurz gefasst

Am 19. Juli 2017 stimmten die EU-Mitgliedstaaten einem Vorhaben der EU-Kommission zur Verringerung des Acrylamidgehalts in Lebensmitteln zu. Der krebserregende Stoff entsteht vor allem beim Braten und Frittieren von stärkehaltigen Lebensmitteln. Von einem Pommes frites-"Verbot" kann jedoch nicht die Rede sein. Der Europäische Rat und das EU-Parlament haben 3 Monate Zeit, diesem Vorhaben zuzustimmen.

Groß war die mediale Aufregung der letzten Tage rund um diese Frage. Zur Diskussion kam es, nachdem die EU-Mitgliedstaaten am 19. Juli 2017 einem Vorschlag der EU-Kommission zugestimmt hatten. Das Ziel der Kommissions-Idee: Der Acrylamidgehalt – ein krebserregender Stoff, der unter anderem beim Frittieren entsteht – in Lebensmitteln soll reduziert werden.

Manche journalistischen Beobachter warnten schon vor der Abschaffung der in ganz Europa heiß begehrten Pommes frites. Selbst die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zählt zu den Fans des Imbisses für zwischendurch. Im Februar 2016 stärkte sie sich während einer Sitzungspause beim EU-Gipfel in Brüssel in einer für Belgien typischen "Frittenbude".

Muss nun auch die deutsche Bundeskanzlerin künftig auf Pommes frites verzichten? Ganz so schlimm kommt es wohl nicht. Wie auch bei anderen EU-Mythen, die allzu schnell durch mangelnde Recherche verbreitet werden – Stichwort Salzstangerl-Verbot – kam es auch bei der "Abschaffung" der Pommes frites zu einem verfrühten Aufschrei. Wir klären auf.

Acrylamid – was ist das überhaupt?

Der Wirkstoff Acrylamid ist eine Substanz, die beim Braten, Frittieren oder Backen von stärkehaltigen Lebensmitteln wie Erdäpfeln oder Mehl freigesetzt wird. Laut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gilt Acrylamid als karzinogen, also krebserregend. Um den giftigen Stoff in Lebensmitteln zu verringern, stimmten am 19. Juli 2017 die Mitgliedstaaten einem Vorschlag des für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständigen EU-Kommissars Vytenis Andriukaitis zu. Er plant eine neue Verordnung zur Verringerung des Acrylamidgehalts.

Vytenis Andriukaitis
Vytenis Andriukaitis (© Europäisches Parlament – Fotodatenbank - EP-051494D)

Laut Vytenis Andriukaitis kann die neue Verordnung nicht nur zur Reduzierung des Gehalts des krebserzeugenden Stoffes im Supermarkt und Gastronomiebetrieben beitragen. Sie soll auch die Bürgerinnen und Bürger dafür sensibilisieren, beim Kochen zu Hause darauf zu achten.

Kritik an zu komplizierten Regelungen

Auch wenn viele die Idee den Acrylamidgehalt in Nahrungsmitteln zu senken grundsätzlich als richtig erachten: Kritikerinnen und Kritiker halten die geplante Verordnung für zu detailliert.

Laut der EU-Kommission sollen Gastronomiebetriebe in Zukunft nicht nur auf die Temperatur beim Frittieren von Erdäpfel achten, sondern auch ihre Erdäpfel nicht unter 8 Grad Celsius lagern. Die Vorschrift enthält zudem die Forderung nach bestimmten Erdäpfelsorten, die einen niedrigeren Zuckergehalt haben. Die Gefahr vor Acrylamid würde auch sinken, wenn die Erdäpfelstücke vor dem Frittieren blanchiert oder 30 Minuten eingeweicht werden, um die Stärke auszuspülen. Eine solche detailreiche Regelung könnte vor allem für kleinere Betriebe zu Problemen führen.

Der Gesetzesvorschlag wird nach der Zustimmung der Mitgliedstaaten nun dem Europäischen Rat und dem EU-Parlament vorgelegt, die 3 Monate Zeit für die Prüfung des Vorschlages haben. Legen das Parlament und der Rat keinen Einspruch ein, könnte die Verordnung voraussichtlich im Frühjahr 2018 bereits in Kraft treten.

Die geplanten EU-Regeln sind eventuell bereits Teil des österreichischen Rechts

Offen ist jedoch noch, inwieweit die Acrylamidvorgaben der EU nicht ohnehin bereits Teil der österreichischen Gesetzgebung sind. Denn zumindest eine Frittiertemperaturobergrenze von 175 Grad Celsius hat der heimische Gesetzgeber schon festgelegt.

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