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Dubrovnik – die überlaufene Perle der Adria

Der Tourismus ist eine der Branchen, die am stärksten von der Digitalisierung betroffen sind

(Reportage auf Youtube anhören.)

Die meisten können sich gar nicht mehr vorstellen, den Flug oder die Unterkunft ohne Internet zu buchen. Übers Internet kommen viele aber auch erst auf die Idee, wo die nächste Reise hingeht. Beliebt ist da zum Beispiel die kroatische Stadt Dubrovnik. Fans der Serie Game of Thrones kommen seit einiger Zeit in Scharen nach Dubrovnik, weil dort ein großer Teil der Serie gedreht worden ist. Game of Thrones ist eine der erfolgreichsten Serien weltweit. Obwohl sie fürs Fernsehen produziert worden ist, hat sie sich vor allem im Internet rasend verbreitet. Wie Dubrovnik vom "Game of Thrones"-Boom profitiert und welche Auswirkungen die Digitalisierung darüber hinaus auf den Tourismus in der Stadt hat, hat sich Isabella Purkart im Rahmen von Eurotours 2017, einem Projekt des Bundespressedienstes, in Dubrovnik angesehen und angehört.

Isabella Purkart: Willkommen in Kings Landing - vor dem Eingang zur historischen Altstadt von Dubrovnik versuchen dutzende Anbieter von Stadttouren auf sich aufmerksam zu machen. Ein großer Teil von ihnen wirbt für "Game of Thrones"-Touren. Denn Dubrovnik ist der Drehort für die Hauptstadt der 7 Königslande aus der Serie Game of Thrones. Kings Landing heißt die fiktive Serien-Stadt im Original oder Königsmund auf Deutsch.

Game-of-Thrones-Tour © Isabella Purkart
"Game of Thrones"-Tour in Dubrovnik: Robert Simić zeigt Touristen die Drehorte der Serie © Isabella Purkart

Robert Simić, Touristenführer: Dubrovnik ist eine Stadt mit 35 000 Einwohnern, und wir sind der Gastgeber der größten TV-Show in der Geschichte des Fernsehens. Wir profitieren natürlich sehr davon. Viel Gutes ist nach Game of Thrones für uns passiert, das werde ich euch im Laufe der Tour erklären.

Isabella Purkart: Robert Simić ist einer der "Game of Thrones"-Guides. Er zeigt Reisegruppen die Drehorte in Dubrovnik.

Robert Simić: Um hier zu drehen, mussten alle diese Geschäfte und Restaurants geschlossen werden. Wenn ihr euch fragt, wie sie das gemacht haben: Ganz einfach: Mit dem Scheckbuch. Die Geschäfte haben so mehr Geld bekommen, als wenn sie offen gewesen wären. Und das ist mehr oder weniger der kroatische Traum: Mehr Geld verdienen durchs Nichtstun als durchs Arbeiten!

Isabella Purkart: Kurz nachdem die 1. Staffel von Game of Thrones in Dubrovnik gedreht worden ist, sind die Anfragen nach den geführten Touren gekommen, sagt Robert Simić. Für das Unternehmen, für das er arbeitet, seien die Führungen ein wirtschaftlich wichtiger Zweig geworden. Dutzende andere Reiseunternehmer sind auf den Zug aufgesprungen. Und nicht nur sie: Auch andere Branchen nutzen den "Game of Thrones"-Boom für sich.

Luka Galić betreibt einen "Game of Thrones"-Fanshop. Die Leute kommen nicht nur wegen der T-Shirts und Häferl, die im Geschäft verkauft werden. Kunden können sich auch auf der Nachbildung des Eisernen Throns aus der Serie fotografieren. Für viele eine kleine Attraktion.

Mit dem Geschäft in der Altstadt hat Luka Galić zusammen mit einem Freund den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.“

Game-of-Thrones-Souvenirgeschäft © Isabella Purkart
"Game of Thrones"-Souvenirgeschäft in Dubrovnik © Isabella Purkart

Luka Galić, selbständiger Souvenirverkäufer: Bis jetzt haben wir immer im Tourismus gearbeitet. Nach der Uni haben wir beschlossen, uns selbstständig zu machen. Wir sind noch jung. Das ist das erste Mal, dass wir nicht für jemand anderen arbeiten. Darum ist es uns am Wichtigsten, dass wir unsere Kosten decken und die Angestellten bezahlen können.

Isabella Purkart: Viele der Kunden im Fanshop sind jüngere Leute. Seit Dubrovnik auf dem Bildschirm Kings Landing ist, hat sich auch der Altersschnitt der Dubrovnik-Besucher geändert, sagt Sandra Milovčević vom Tourismusverband.

Sandra Milovčević, Mitarbeiterin des Tourismusverbandes: Seit dann haben wir bemerkt, dass wir hier mehr und mehr jüngere Touristen haben als früher. Heute haben wir, ich glaube, am meisten diese Mittel, also 40-50 Jahre und auch 30-40 Jahre.

Isabella Purkart: Heuer hat Dubrovnik ein Rekordjahr im Tourismus erlebt: So viele Urlauber wie in diesem Jahr waren noch nie in der Stadt, sagt Sandra Milovčević. Die Digitalisierung bringt nicht nur mehr Touristen nach Dubrovnik, sondern sie verändert auch, wo die Touristen übernachten. Jedes Jahr werden mehr Privatunterkünfte gebucht – zuzuschreiben ist das den zahlreichen Booking-Seiten im Internet. Durch sie können Gäste am relativ teuren Pflaster Dubrovnik leichter eine leistbare Unterkunft finden.

Tourist: Wir wohnen in einem AirBnB-Apartment 20 Minuten von hier. Wir suchen uns meistens was über AirBnB, weil wir mehr davon haben als von einem Hotelzimmer zu einem ähnlichen Preis.

Isabella Purkart: Der Touristenboom in Dubrovnik kommt nicht nur von "Game of Thrones"-Fans. Fremdenverkehr war auch schon davor ein gutes Geschäft in der kroatischen Küstenstadt. Viele Besucher kommen wegen der kulturellen und geschichtlichen Bedeutung in die "Perle der Adria“, wie Dubrovnik oft genannt wird. Dazu gehören Gäste, die in der Stadt übernachten, Tagesbesucher sowie die Fahrgäste der Kreuzfahrtschiffe.“

Mato Franković, Bürgermeister von Dubrovnik: Wenn alle diese Gäste an einem Ort sind, ist das zu viel für unsere Altstadt.

Isabella Purkart: Der Bürgermeister Mato Franković ist seit diesem Juni im Amt. Gleich nach seinem Amtsantritt ist er in den internationalen Medien aufgefallen: Denn er will die Touristenmassen in Dubrovnik unter Kontrolle bringen - und die Zahl der Besucher in der Altstadt reduzieren. Besonders die Kreuzfahrttouristen sind ihm ein Dorn im Auge. Sie sind nur für ein paar Stunden in der Stadt und bevölkern alle gleichzeitig das Zentrum. Derzeit legen in der Hochsaison oft 5 oder 6 riesige Kreuzfahrtschiffe mit tausenden gleichzeitig Menschen am Hafen von Dubrovnik an.“

Mato Franković: Wir wollen die Zahl der Passagiere auf maximal 4 000 reduzieren, das sind 2 Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig. Das heißt nicht, dass nur 2 Schiffe am Tag kommen dürfen, aber wenn, dann müssen sie zu unterschiedlichen Tageszeiten anlegen.

Isabella Purkart: Die Begrenzung soll in Verträgen mit den Kreuzfahrt-Unternehmen umgesetzt werden. Als 2. Maßnahme, um die Besuchermassen im Zentrum zu zähmen, setzt die Stadt auf das Konzept der Smart City, bei dem Lösungen mit digitaler Technologie gesucht werden. So soll eine neue App den Besuchern im Voraus anzeigen, wo Parkplätze frei sind – und Staus damit vermieden werden. Außerdem sind an den Stadttoren Kameras, sogenannte Besucherzähler angebracht. Ist die Maximalzahl an Besuchern im Stadtkern überschritten, werden die Zugänge gesperrt. Auf einer Website kann man sich schon vor einem Ausflug ins Zentrum in Echtzeit ansehen, wie viele Besucher bereits dort sind. Denn das Gedränge in der Altstadt kommt auch schon bei den Gästen selbst teilweise nicht mehr gut an.“

Touristin: Also mir persönlich ist es schon zu viel, teilweise schieben sich die Leute schon durch die Stadt, das ist schon beängstigend, wenn das so eng wird.

Isabella Purkart: Auch die Einwohner von Dubrovnik müssen sich mehrere Monate im Jahr mit dem Gedränge herumschlagen. Was aber für viele noch schwerer wiegt: Das Leben in der Tourismusstadt ist für die, die nicht selbst mit Tourismus ihr Geld verdienen, fast nicht leistbar. Vor allem Wohnraum ist in der Stadt, in der fast jedes freie Zimmer an Touristen vermietet wird, Mangelware - und sehr teuer. Andererseits sind die Einheimischen aber froh, dass sie durch den Tourismus gesicherte Arbeit haben. Anders als im Rest Kroatiens, das eine hohe Arbeitslosigkeit hat, fehlen in Dubrovnik Arbeitskräfte. Ein Manko gibt es aber auch hier, sagt Davor Cverlin, ein Slowene, der sich der Liebe wegen in Dubrovnik sesshaft gemacht hat. Und Davor Cverlin als "Game of Thrones"-Tourguide arbeitet.

Davor Cverlin, Game of Thrones-Tourguide: Es ist sehr schwer einen Vollzeit-Job zu bekommen. Wir haben alle Universitätsabschlüsse. Wir wollen gar nicht in normalen Jobs arbeiten, weil sie sehr schlecht bezahlt sind. Mit Stadttouren verdienen wir zweimal so viel, als mit einem normalen Job.“

Isabella Purkart: Abgesehen vom Verdienst sieht Davor Cverlin in der Saisonarbeit einen weiteren großen Vorteil …

Davor Cverlin: Wir arbeiten 7 bis 8 Monate. Dann haben wir Zeit zum Reisen, Trinken, Essen und um uns Game of Thrones noch einmal vom Anfang an anzusehen.

Isabella Purkart: Nach dem Urlaub kommt er dann wieder nach Dubrovnik zurück, oder nach Kings Landing, wie viele "Game of Thrones"-Fans sagen.

Eurotours in Kroatien

Isabella Purkart

Autorin: Isabella Purkart
Medium: Ö1
Eurotours-Ziel: 9. bis 13. September 2017 (Kroatien)

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