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OECD-Länderbericht: Österreich hat Nachholbedarf bei Digitalisierung

Trotz überdurchschnittlicher Werte bei manchen Indikatoren verläuft die digitale Revolution in Österreich langsamer als in Skandinavien

Präsentation des OECD-Länderberichts 2017

19.07.2017/TMI

Kurz gefasst

Die stellvertretende Generalsekretärin der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Mari Kiviniemi, präsentierte am 17. Juli 2017 in Wien den diesjährigen OECD-Länderbericht. Die internationale Organisation stellt Österreich ein gutes Zeugnis für sein Wirtschaftswachstum aus, empfiehlt aber bei der Digitalisierung Verbesserungen. Österreich sollte durch Bildungsmaßnahmen insbesondere die gesellschaftlichen Unterschiede bei der Anwendung von Kommunikationstechnologien ("digital divide") verkleinern. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) könnten die Chancen der Digitalisierung besser nützen, so die OECD.

Am 17. Juli 2017 präsentierte die stellvertretende Generalsekretärin der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Mari Kiviniemi, den 144-seitigen Länderbericht, der dieses Jahr seinen Schwerpunkt auf Digitalisierung legt.

Der Bericht zeigt, dass Österreich in manchen Indikatoren zwar über dem Schnitt der 35 OECD-Industrieländer liegt, jedoch im Gesamtbild noch immer den digitalen Vorreitern - Finnland, Schweden, den Niederlanden oder Dänemark - hinterherhinkt.

Während Österreich im Bereich E-Government zu den Besten gehört, verläuft die Umstellung auf digitale Arbeitsmethoden vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) vergleichsweise sehr langsam. Zudem gibt es einen großen gesellschaftlichen Unterschied bei der Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Laut OECD-Bericht können sich zwar jüngere und höhergebildete Bürgerinnen und Bürger schnell an digitale Veränderungen anpassen. Besonders ältere Generationen, aber auch Personen mit geringerem Bildungsgrad und Zuwandererinnen und Zuwanderer würden bei der digitalen Revolution in Österreich jedoch noch immer große Defizite aufweisen ("digital divide").

Die stellvertretende OECD-Generalsekretärin betont in diesem Zusammenhang, dass die Verbreitung von modernen Technologien nicht nur die Produktivität und den Wohlstand steigere, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärke. Deshalb sei es besonders wichtig, durch umfassende Politikansätze die Chancengleichheit angesichts des technischen Wandels beizubehalten. Die erzielten Gewinne der Digitalisierung sollten, so der OECD-Bericht, angemessen umverteilt werden. Den Schlüssel dafür sieht Mari Kiviniemi in der Stärkung der digitalen Kompetenzen während der schulischen Ausbildung sowie bei Weiterbildungsangeboten, die das lebenslange Lernen fördern.

OECD lobt Bundesregierung für „Digital Roadmap“

Präsentation der Digital Roadmap, Jänner 2017

Ein gutes Zeugnis stellt die OECD der von der Bundesregierung im Januar 2017 präsentierten "Digital Roadmap" aus. Mit der "Digital Roadmap" bündelt die Regierung verschiedene einzelne Strategien in einem ressortübergreifenden Strategiepapier, um Österreich beim Thema Digitalisierung voranzubringen.

Aber auch bei der "Digital Roadmap" sieht die OECD Verbesserungsbedarf und fordert einen Plan für die Förderung von digitalen Kompetenzen in Kleinunternehmen sowie ein transparentes Monitoringsystem. Die für Digitalisierung zuständige Staatssekretärin Muna Duzdar betonte bei der Präsentation des Länderberichts, dass ein Monitoring für die "Digital Roadmap" bereits geplant sei. Durch einen jährlich stattfindenden digitalen Gipfel sollen die "Digital Roadmap"-Indikatoren und deren Umsetzung auf breiter Basis diskutiert werden. Unklar ist jedoch noch, wann dieses Monitoringsystem umgesetzt werden kann.

Österreichs Wirtschaft laut OECD im Aufwärtstrend

Die stabile Wirtschaft Österreichs wird in dem am 17. Juli 2017 präsentierten OECD-Länderbericht besonders positiv hervorgehoben. Durch die erfolgreiche Steuerreform im Jahr 2016 sowie der Erholung der Exportnachfrage hat das Wirtschaftswachstum in Österreich real um 1,5 Prozent zugelegt. Für das Jahr 2017 prognostizieren die Expertinnen und Experten sogar einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,2 bis 2,4 Prozent.

Dennoch gibt es auch hier noch Verbesserungspotential: Ähnlich wie bereits in dem im Mai 2017 von der EU-Kommission veröffentlichten länderspezifischen Empfehlungen kritisiert die OECD die hohen Kosten für Pensionen und Ineffizienzen im Bildungs- und Gesundheitsbereich sowie der öffentlichen Verwaltung. Explizit erwähnt der Bericht auch die Notwendigkeit, die großen geschlechtsspezifischen Ungleichheiten beim Einkommen auszugleichen und durch den Ausbau von ganztägigen Kinderbetreuungsstätten Vollzeitarbeit bei Frauen attraktiver zu machen.

Hintergrund OECD – Länderbericht

Die Länderberichte der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind, neben den OECD-Wirtschaftsprognosen und Wachstumsstrategien, die zentralen Publikationen im Bereich Wirtschafts- und Wachstumspolitik. Alle 18 bis 24 Monate findet eine OECD-Länderprüfung durch den wirtschaftspolitischen Prüfungsausschuss (Economic and Development Review Committee - EDRC) statt. Die Länderberichte sind darauf ausgerichtet, langfristige makroökonomische Entwicklungen und die größten Herausforderungen des Landes zu analysieren. Darauf basierend gibt die OECD Empfehlungen zur Politikgestaltung ab.

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