Inhalt

Peter Niklas: "Für mich ist es gar kein Widerspruch, mich als Innviertler, Österreicher und Europäer zu fühlen."

Als Finanzexperte achtet der Oberösterreicher auf die korrekte Verwaltung und Verwendung von EU-Geldern.

Peter Niklas

Steckbrief zum beruflichen Werdegang:

Peter Niklas, geboren 1968 in Ried im Innkreis, Oberösterreich

  • Matura im Gymnasium in Ried im Inkreis
  • Banklehre als Bürokaufmann im Kreditwesen (= Bankkaufmann) in Rohrbach
  • Karriere über Kundenberatung, Wohnbau, Kreditfinanzierungen zum Filialleiter einer Regionalbank

Nach 11 Jahren als Bankangestellter stellte sich mir die Frage, ob ich mein ganzes Leben diesen Beruf ausüben würde. Durch Zufall hörte ich im Rundfunk von der Möglichkeit, sich bei der Europäischen Kommission zu bewerben und stellte mich einem Auswahlverfahren (schriftliche und mündliche Prüfungen) für einen Job in der Finanzverwaltung:

  • Start 1999 bei der Generaldirektion (GD) für Fischereipolitik
  • Assistent des Kabinettchefs der Kommissarin für Budget (2001-2003)
  • 4 Jahre rechte Hand einer Direktorin in der GD Beschäftigung und Soziales (Koordinierung von Finanz- und Humanressourcen)
  • Knapp 2 Jahre (2007/2008) Verwaltungsleiter in einer karibischen Delegation (verantwortlich für administrative Ausgaben, lokale Angestellte, Dienstwohnungen, Dienstautos, Delegationsgebäude, Sicherheit usw.)
  • Bis 2013 Innenrevisor (internal audit) in der GD Unternehmen und Industrie (vorwiegend Finanzaudits)
  • Seit August 2013 in einer Abteilung der GD Budget, die verantwortlich ist für eine harmonisierte Auslegung/Interpretation der Haushaltsordnung der EU; Trainer und Mitglied des "Central Financial Service Helpdesk"

Aus meinen bisherigen Tätigkeiten geht deutlich hervor, dass – Kompetenz und ein bisschen Glück vorausgesetzt – die Möglichkeiten für einen EU-Beamten sehr vielfältig sind, weswegen ich diesen beruflichen Schritt auch nie bedauert habe.

Interessen:

Österreichische Traditionen (Blasmusik, Gesang, Kartenspiele, Kulinarisches, Wein)

Mein Tagesablauf: herausfordernd, abwechslungsreich und verantwortungsvoll

Zu meinen Hauptaufgaben gehört die Beantwortung von kniffligen Finanzfragen von Kolleginnen und Kollegen aller Institutionen (Rat, Parlament, Ausschuss der Regionen, Kommission etc.) und von den Agenturen der EU. Zusammen mit einer Handvoll Kolleginnen und Kollegen versuchen wir, die Fragen sowohl aus juristischer Sicht, als auch nach den Prinzipien guten Finanzmanagements zu beantworten. Bei sehr schwierigen Problemstellungen konsultieren wir innerhalb der Generaldirektion Budget (wenn notwendig auch in anderen GDs) weitere Spezialistinnen und Spezialisten.

Des Weiteren bieten wir Trainings im Bereich Finanzmanagement der EU an. Dabei vermitteln wir vorwiegend neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Grundlagen des EU-Budgets (von der Erstellung eines Budgets bis zur Entlastung nach Prüfung des Rechnungshofes) sowie die wichtigsten Bestimmungen für Ausschreibungen und Subventionen. Diese beiden Tätigkeiten sind sehr herausfordernd, abwechslungsreich und geben mir das Gefühl, dazu beizutragen, dass das Geld unserer Steuerzahler von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Folge ordentlich verwaltet werden kann und wird.

Fühle mich als Innviertler, Österreicher und Europäer

Als eine der größten Herausforderungen sehe ich es, dass einerseits die Kommunikation zu den Bürgerinnen und Bürgern verbessert wird (Wer ist die EU? Was macht sie? Wo liegt der Mehrwert?), andererseits die Kompetenzen in einem neuen EU-Vertrag klarer dargestellt werden. Für Bereiche, die nur auf höherer Ebene sinnvoll geregelt werden können wie zum Beispiel Umweltschutz, Energieversorgung, Binnenmarkt, Migration oder Finanzmarktpolitik, sollten die Mitgliedsländer Teile ihrer Souveränität abgeben. Stichwort Euro: Wie soll eine Stabilitätspolitik auf Dauer funktionieren, wenn die Mitgliedstaaten einen Steuerwettbewerb untereinander führen, manche Mitgliedstaaten Sparprogramme auflegen und andere Mitgliedstaaten eine Verschuldungspolitik betreiben?
Umgekehrt darf sich die EU nicht in die Bereiche einmischen, die besser auf Orts- oder Regionalebene gelöst werden können. Dies steht zwar heute schon so im Vertrag, wird aber in der Praxis nicht immer so empfunden. Für mich ist es gar kein Widerspruch, mich als Innviertler, Österreicher und Europäer zu fühlen. Dies wünsche ich mir für die Bevölkerung der ganzen EU, dass sie regionale Zugehörigkeit verbinden mit dem Bewusstsein, auch Teil eines größeren Staatenbundes mit all den Vorteilen der EU-Bürgerschaft zu sein.

Sprachkenntnisse und Prüfungen führen zu einem Job in Brüssel

Um in der EU zu arbeiten, muss man erst einmal ein Auswahlverfahren (Prüfungen) bestehen. Dies erfordert auch gute Sprachkenntnisse. Um in einem internationalen und multi-kulturellen Umfeld zu arbeiten, sind also Qualitäten wie Offenheit, Toleranz, Neugier, sprachliche Weiterentwicklung gefordert.

Schwierig, mit Familie und Freunden in Österreich in Kontakt zu bleiben

Für die meisten Österreicherinnen und Österreicher ist es nicht leicht, auf die gewohnten Standards zu verzichten, zum Beispiel im Wohnbereich (Qualität der Wohnungen, Preise, Probleme bei Reparaturen) oder im öffentlichen Bereich (Trinkwasser aus der Leitung, bekannte Behördenwege). Das Schwierigste ist natürlich, mit Verwandten, Freunden und Vereinen in Kontakt zu bleiben. Die Distanz ist einfach zu groß für regelmäßige Besuche. Telefon und Internet können keine persönlichen Begegnungen ersetzen. Lieb gewonnene Lebensmittel werden von vielen vermisst (gute Wurst, Senf, Essiggurken). Zu Hause in meiner Region kennt jeder jeden, hier in Brüssel lebt man eher "anonym". Allerdings habe ich das Glück, hier sehr viele Österreicherinnen und Österreicher sowie Deutsche kennengelernt zu haben, weshalb ich in der Freizeit einen guten Bezug zur Heimat (über gemeinsame Sprache, Mentalität) habe. Ein guter Freund sagte einmal: "Für mich ist dort gerade Heimat, wo ich mit jemandem meinen Dialekt sprechen kann".

Auch ich war zu Beginn der EU gegenüber skeptisch eingestellt

Ich glaube nicht dass es die Distanz der EU ist, eher die Berichterstattung darüber, was die "schlimme" EU so macht. Ich selber bin ja als österreichischer Patriot nach Brüssel gekommen und war in den ersten Jahren der EU gegenüber noch ziemlich skeptisch eingestellt. Doch im Laufe der Zeit änderte sich dies, weil ich durch bessere und objektivere Informationen die Vorteile der Gemeinschaft erst erkannt habe.

Österreich sollte ehrlicher über EU-Entscheidungen kommunizieren

Daher würde ich mir wünschen, dass EU-Politik als Innenpolitik in der Heimat behandelt wird und unsere Regierung besser und ehrlicher kommuniziert, warum diese oder jene Entscheidung in der EU so gefällt wurde. Logischerweise sind Kompromisse von 28 Ländern (mitbestimmt von Österreich) manchmal nicht ganz im Sinne der österreichischen Mentalität, aber auch in der österreichischen Regierung wird oft gestritten und es gibt Mehrheitsentscheidungen, die nicht allen Wählerinnen und Wählern gefallen.

Die EU durch persönliche Erfahrungen besser kennenlernen – auch in Schulen

Auch in der Schule sollte mehr über die EU unterrichtet werden. Meist wird ja über das Unbekannte geschimpft, weil alles, was "anders" ist, als bedrohlich oder schlecht beurteilt wird. Persönliche Erfahrungen – etwa Entwicklungshelferinnen und -helfer, Austausch-Studierende oder Unternehmerinnen und Unternehmer, die über die Grenzen hinweg arbeiten – helfen, den Horizont zu erweitern und die Dinge in anderem Licht zu sehen.

Der Arbeitsplatz von Peter Niklas

Die Aufgaben der Generaldirektion (GD) Budget/Haushalt bestehen darin, bei der Haushaltsbehörde – dem Europäischen Parlament und dem Ministerrat – die für die Durchführung der Politiken der Europäischen Union erforderlichen Mittel zu beantragen, die effiziente Bewirtschaftung der Gemeinschaftsmittel zu fördern und Rechenschaft über die Verwendung der Mittel abzulegen. Diese Kommissionsdienststelle verfügt über rund 420 Mitarbeiter und ist in 5 in Brüssel untergebrachte Direktionen unterteilt.

Generaldirektion Budget in der Europäischen Kommission

Platzhalter für Quicklinks