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TV-Reportage: Bulgarien und die Fake News

Schmutzkübelkampagnen und Fake News nehmen in der ganzen Europäischen Union zu. Tina Goebel und Christoph Krammer zeigen an einem Beispiel in Bulgarien, wie weit das führen kann. Denn kurz vor den letzten bulgarischen Parlaments-Wahlen haben hier Fake News für Wirbel gesorgt. Im Zentrum stand dabei ausgerechnet der österreichische EU-Kommissar Johannes Hahn.

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Transkript des Fernsehbeitrags

Reporterin Tina Goebel: EU- Kommissar Johannes Hahn ist der wichtigste Österreicher in Brüssel. Doch hierzulande kennen ihn gerade einmal 64 Prozent der Bevölkerung. Sein Bekanntheitsgrad dürfte in Bulgarien weitaus höher liegen. Vor den Parlamentswahlen hat im Februar eine Fake-Nachricht für Wirbel gesorgt – mit Hahn in der Hauptrolle.

Daniel Penev © Tina Goebel

Daniel Penev, freier Journalist: Laut dieser Geschichte hätte der EU-Kommissar gesagt, dass Bulgarien in einigen Dekaden als Land verschwinden wird – alleine wegen der demographischen Entwicklung. Und deshalb müssen EU-Mitgliedsländer Leute nach Bulgarien schicken. Also quasi neu bevölkern, weil dieses Land wegen seiner Lage gut genutzt werden kann.

Reporterin Tina Goebel: Die absurden Fake News gingen viral und haben der nationalistischen Partei in die Hände gespielt. Heute hat Bulgarien eine konservativ-nationalistische Regierung. Fake News werden immer mehr zum Problem. Die EU hat nun die Seite "EU vs. Disinfo" gestartet, auf der Fake News aus allen Ländern Europas richtig gestellt werden. Aus Österreich sind hier 23 aufgelistet. Darunter etwa diese erfundene Geschichte über einen Flüchtling, der eine Frau missbraucht haben soll. Schmutzkübelkampagnen und Fake News nehmen zu und am Beispiel Bulgarien kann man sehen, wohin das führen kann.

Sogar Journalisten werden hier mittlerweile Opfer von Internet-Kampagnen. Maria Chersheva bekam das nach einem kritischen Artikel über das Attentat von Ansbach letztes Jahr zu spüren.

Maria Cheresheva © Tina Goebel

Maria Cheresheva, investigative Journalistin: Eine Seite, die von keinem Journalisten ernst genommen wird, aber doch Einfluss hat, hat begonnen Artikel zu veröffentlichen, dass ich mit diesem Attentäter eine Affäre hätte und Dschihadisten-Propaganda verbreiten würde. Das ist natürlich vorbei an jeglicher Realität.

Reporterin Tina Goebel: Viele Beiträge richten sich hier in Bulgarien gegen die EU selbst. Sie können auf pro-russische Netzwerke zurückgeführt werden.

Daniel Penev, freier Journalist: Im Jänner ging diese Geschichte herum, dass die EU Leuten verbieten möchte, oder sie davon abhalten möchte, Schneemänner zu bauen. Oder, wenn du schon einen baust, dann musst du auch einen schwarzen bauen, damit es nicht rassistisch ist.

Reporterin Tina Goebel: So absurd die Nachricht auch ist, es gibt genug Menschen die darauf hereinfallen.

Martin Schauhuber

Autorin: Tina Goebel (Kamera: Christoph Krammer)
Medium: Puls 4
Eurotours-Ziel: 11. bis 15. September 2017 (Bulgarien)

Bulgarien und die Fake News (TV-Reportage auf Puls 4)

Weiterer Beitrag des Teams:
TV-Reportage: Bulgariens Grenzzaun 

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