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Was der Wegfall der Roaming-Gebühren mit 15. Juni 2017 wirklich bringt

Die 10 wichtigen Fragen und Antworten zum Roaming-Aus in der EU

Screenshot No more roaming

8.6.2017/SWE

Kurz gefasst

Telefonieren, Surfen und SMSen im EU-Ausland wird mit 15. Juni 2017 günstiger. Kundinnen und Kunden zahlen für die Nutzung ihres Handys grundsätzlich keine Extra-Gebühren mehr. In einigen Fällen, etwa bei Reisen im Flugzeug oder am Schiff, könnte es dennoch Kostenfallen geben.

Keine Zusatzkosten mehr fürs Telefonieren, Surfen und SMSen im EU-Ausland: Das bringt die Abschaffung der Roaming-Gebühren am 15. Juni 2017. In den 28 EU-Mitgliedsländern sowie Norwegen, Liechtenstein und Island können Konsumentinnen und Konsumenten mit "Roam like at Home" ihre SIM-Karte nutzen wie zu Hause – ohne Extra-Gebühren. Seit 2007sanken die Roaming-Preise schrittweise um bis zu 90 Prozent.

Was ändert sich genau? Wo hat die Roaming-Richtlinie ihre Grenzen? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zu den neuen Roaming-Regeln.

Was ist eigentlich Roaming?

Wenn im Ausland das heimische Mobilfunknetz eines Handys nicht zu Verfügung steht, verbindet es sich beim Grenzübertritt in der Regel mit einem fremden Netzwerk. Dafür zahlt der Anbieter des Heimnetzes Geld an den Anbieter des Fremdnetzes. Die Mobilfunkkonzerne rechtfertigten die hohen Entgelte lange Zeit mit dem teuren Aufbau der Netze und den Mobilfunklizenzen. Über die Roaming-Gebühren wurden diese Kosten bisher an die Kundinnen und Kunden weitergegeben. Diese Kosten fallen mit 15. Juni 2017 weg.

Gilt die neue Regelung für alle?

Junge Frau schaut auf ihr Smartphone

Ja. Grenzüberschreitendes Telefonieren, SMSversenden und im Internet surfen wird bei einem zeitweiligen Aufenthalt in einem anderen EU-Land nicht mehr kosten als im Inland. Die neue Regelung gilt für alle Vertrags- und Wertkartentarife, egal ob mit Vertrag oder ohne, egal ob mit oder ohne Bindung.

Mobilfunkunternehmen können die Kosten aber umgehen, indem sie rein inländische Tarife anbieten. Dann können die Kundinnen und Kunden ihr Mobiltelefon im Ausland nicht verwenden.

Können die im Smartphone-Tarif inkludierten Freiminuten, SMS und Datenguthaben im EU-Ausland genutzt werden?

Ja, inkludierte Freiminuten und SMS gelten auch im EU-Ausland. Beim verfügbaren Datenguthaben gibt es jedoch verordnete Limits. Dieses Limit muss vom Netzbetreiber je nach Tarif berechnet und bekannt gegeben werden. So können etwa bei einem inkludierten Datenvolumen von 5 Gigabyte 2 Gigabyte auch im EU-Ausland verbraucht werden.

Ist Telefonieren von Österreich ins Ausland Roaming?

Nein, das Telefonieren von Österreich ins Ausland ist kein Roaming. Auch nach dem 15. Juni 2017 kosten Telefonate von Österreich beispielsweise nach Griechenland weiterhin so viel wie bisher. Wer aber beispielsweise aus dem Griechenlandurlaub mit seinem Handy Heim nach Österreich anruft, zahlt nur den Inlandstarif seines Mobilfunkanbieters.

Wie erfahre ich, dass mein Datenvolumen aufgebraucht ist?

Sobald 80 beziehungsweise 100 Prozent des Datenvolumens verbraucht sind, erhalten die Handy-Kundinnen und -Kunden eine Hinweis-SMS. Danach können Sie ein zusätzliches Datenpaket erwerben oder je nach Verbrauch abrechnen lassen.

Darf ich einen österreichischen Vertrag dauerhaft im Ausland nutzen?

Nein. Um Preisdumping in einem EU-Land zu verhindern, ist die Roaming-freie Nutzung zeitlich limitiert (sogenannte Fair-Use-Politik). Wer sich innerhalb eines Beobachtungszeitraums von 4 Monaten mehr als 2 Monate im EU-Ausland aufhält und dort überwiegend Roaming-Dienste nutzt, wird vom Netzbetreiber verwarnt und muss innerhalb von 2 Wochen "faire Nutzung" (überwiegende/r Aufenthalt oder Nutzung im Inland) nachweisen. Sonst drohen Aufschläge. Eine genaue Festlegung – etwa an wie vielen Tagen man das Handy im Ausland nutzen darf oder wie hoch die Aufschläge sein sollen – gibt es nicht. Diese wurde ursprünglich von der EU diskutiert, aber fallengelassen.

Kann ich mir den günstigen EU-Handytarif aussuchen und verwenden?

Nein. Die Roaming-Regeln sollen verhindern, dass man den billigsten Handytarif in der EU im teuersten EU-Land verwendet. Um Missbrauch zu vermeiden, sieht die EU-Verordnung fürs Roaming eine "stabile Bindung" zu einem Land vor. Das heißt, man muss seinem Netzbetreiber auf Anfrage nachweisen, wo man wohnt. Ansonsten drohen Aufschläge. Wie der Nachweis der "stabilen Bindung" erbracht wird, bleibt den Netzbetreibern überlassen.

Welche Regeln gelten bei Urlaubsreisen, etwa in Flugzeugen oder auf Schiffen?

Kreuzfahrtschiff

Auf Kreuzfahrtschiffen, Fähren und in Flugzeugen kann es weiterhin zu Zusatzkosten kommen. Denn die Nutzung von Handys über die auf Kreuzfahrtschiffen installierten Mobilfunknetze ist explizit von der EU-Roaming-Regulierung ausgenommen. Während man zum Beispiel bei einem Landgang in einem Hafen der EU für die Nutzung des dortigen Mobilfunknetzes keine zusätzlichen Kosten trägt, zahlt man weiterhin teilweise hohe Beträge, wenn dieselbe Nutzung über das Mobilfunknetz des Kreuzfahrtschiffes stattfindet.

Wie sind die Roaming-Gebühren außerhalb der EU-Staaten geregelt?

Aktuell gibt es eine Kostenbegrenzungsfunktion für mobiles Daten-Roaming. Soweit nicht anders vereinbart, gilt: Erreicht die Kundin, der Kunde die Kostengrenze von 59,50 Euro, muss sie, er informiert werden. Zudem wird die Datenverbindung unterbrochen, wenn man nicht angibt, dass man zu höheren Kosten weitersurfen möchte.

Wie sehen die Regeln für Mobilfunkunternehmen aus?

Eine Anfang Februar 2017 unterzeichnete Vereinbarung zwischen den EU-Mitgliedsländern und dem EU-Parlament legt Obergrenzen für die Beträge fest, die Mobilfunkunternehmen sich gegenseitig für die Nutzung ihrer Netze in Rechnung stellen dürfen (sogenannte Großhandelstarife). Grund: Damit das Aus für die Roaming-Tarife für die Netzbetreiber kein Verlustgeschäft wird, müssen die Gebühren sinken, die sich die Mobilfunkanbieter gegenseitig in Rechnung stellen, wenn ihre Kundinnen und Kunden ein Netz im EU-Ausland nutzen. Diese Obergrenzen liegen bei 3,2 Cent pro Minute für Anrufe und 1 Cent für SMS. Für Datenvolumen sinken die Obergrenzen schrittweise von 7,70 Euro pro Gigabyte ab 15. Juni 2017 auf 2,50 Euro pro Gigabyte ab 1. Januar 2022.

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