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Wie hat die EU-Mitgliedschaft Österreich verändert?

Österreich ist der Europäischen Union nicht über Nacht beigetreten. 1989 hat die österreichische Bundesregierung den "Brief nach Brüssel" abgeschickt. Darin stellte unser Land das Ansuchen für die Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft (EG; Vorgängerin der Europäischen Union). Nach mehrjährigen Beitrittsverhandlungen und einer Volksabstimmung am 12. Juni 1994 – zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher sagten "Ja" zu Europa – wurde Österreich mit 1. Januar 1995 eines der damals 15 EU-Mitgliedsländer.

Seither ist nicht nur die EU auf 28 Mitgliedstaaten gewachsen und politisch enger verflochten. Auch Österreich hat sich und die EU verändert.

Was haben mehr als 20 Jahre EU-Mitgliedschaft gebracht?

Eine Österreich-Flagge und eine EU-Flaggen wehen am Dach des Bundeskanzleramtes

Österreich wird von 18 direkt gewählten Abgeordneten im Europäischen Parlament vertreten. Auf europäischer Ebene bestimmen auch die Staats- und Regierungschefs (Europäischer Rat) sowie die Ministerinnen und Minister (Rat der EU) mit. Österreichische Politikerinnen und Politiker sind in allen Gremien der EU-Politik vertreten. In der Europäischen Kommission ist jeweils eine Kommissarin, ein Kommissar pro Land vertreten. Für unser Land waren dies bisher Franz Fischler (1995-2004; Landwirtschaft), Benita Ferrero-Waldner (2004-2009; Außenbeziehungen und Nachbarschaftspolitik) und Johannes Hahn (2009-2014; Regionalpolitik, seit 2014 zuständig für Europäische Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen). Zwei Mal, 1998 (2. Halbjahr) und 2006 (1. Halbjahr), hatte Österreich zudem den wechselnden EU-Vorsitz inne. Das nächste Mal wird unser Land 2018 (2. Halbjahr) am Steuer der EU stehen.

Verdreifachung der Exporte in die EU-27-Staaten

Die EU-Freizügigkeiten (freier Waren-, Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr) eröffneten der österreichischen Wirtschaft viele neue Möglichkeiten und Märkte. Der europäische Binnenmarkt hatte zur Folge, dass mittlerweile etwa 70 Prozent des österreichischen Außenhandels auf EU-Mitgliedsländer entfallen. Die österreichischen Exporte haben sich seit 1995 verdreifacht. Die Gemeinschaftswährung Euro, seit 1. Januar 2002 in Österreich gesetzliches Zahlungsmittel, vereinfacht den grenzüberschreitenden Waren- und Kapitalverkehr wesentlich. Im Zuge der Finanzkrise hat die EU zudem zahlreiche Maßnahmen zu mehr Stabilität im Finanzbereich getroffen – von der Bankenunion bis hin zum EU-Rettungsschirm.

Österreichs Außenhandel in die 27 EU-Staaten (1992-2016)
Österreichs Außenhandel in die 27 EU-Staaten (1992-2016) (© Wirtschaftskammer)

Europa im Alltag: Erasmus, Förderungen und Co.

Menschena sitzen auf einem Rasuen vor eine großen EU-Fahne

Reisen ohne Grenzen, Wohnen ohne Grenzen, Arbeiten und Studieren ohne Grenzen: Die EU bringt vor allem für jene Vorteile, die mobil sein wollen. Mit dem "Schengener Abkommen" fielen die Grenzkontrollen zwischen den meisten EU-Staaten. Mit dem Bildungsprogramm "Erasmus+" konnten seit 1995 tausende junge Österreicherinnen und Österreicher einen Teil ihres Studiums oder ihrer Ausbildung im europäischen Ausland absolvieren. Zahlreiche EU-Förderprogramme sorgen in den Bereichen Landwirtschaft, Forschung, Arbeitsmarkt, Kultur oder Regionalentwicklung dafür, dass ein großer Teil der österreichischen Beiträge zum EU-Budget wieder in unser Land zurückfließt.